Einträge mit dem Tag ‘Wahlkampf’

Geringe Bedeutung des Online-Wahlkampfes

8. April 2010 von hn

Der Online-Wahlkampf wird kaum einen Beitrag zum Ausgang der Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen leisten. Nach einer Analyse des Online-Wahlkampfes der vergangenen Bundestagswahl gelangt Professor Dr. Thorsten Quandt vom Lehrstuhl für interaktive Medien- und Online-Kommunikation der Universität Hohenheim zu dem Schluss, dass das Internet für die Meinungsbildung im Wahlkampf nur eine geringe Bedeutung besitzt. Als wichtigste Informationsquelle gelten weiterhin Fernsehen und Zeitungen, trotz hoher Internetabdeckung informiert sich nur etwa ein Drittel der Bundesbürger online über Wahlkämpfe.

Als wichtigste Informationsquelle im Netz macht Quandt Nachrichten auf Portalseiten aus, gefolgt von den Online-Präsenzen klassischer Massenmedien. Social Media bilden nach seiner Analyse das Schlusslicht. Dennoch seien sie wahlkampfstrategisch der beste Weg, um politisch desinteressierte User zu erreichen.

Für die Zukunft erwartet Quandt nichtsdestotrotz einen Bedeutungszuwachs des Internets als Wahlkampfmedium. In der Altersgruppe der 18- bis 29-jährigen gaben 29 Prozent das Internet als wichtigste Informationsquelle für Wahlkämpfe an. Dies liegt zwar noch weit hinter dem Fernsehen mit 49 Prozent, aber deutlich vor der Zeitung mit 19 Prozent. Ein Blick in die USA zeigt, dass dort zwei Drittel der Bevölkerung das Netz nutzen, um sich über den Wahlkampf auf dem laufenden zu halten. Soziale Netzwerke werden dabei rund dreimal so intensiv zur Meinungsbildung genutzt wie in Deutschland.

Hier gefunden: silicon.de

Zensursula reloaded

24. August 2009 von hn

Bereits seit einiger Zeit tobt die Debatte über Netzsperren, um Kinderpornographie im Internet einzudämmen. Jetzt hat die Initiatorin des ganzen, Ursula von der Leyen, auf einer Wahlkampfveranstaltung in Sulzbach an der Saar wiederholt ihre Ansichten zum Thema preisgegeben. An sich scheint das keine Nachricht von Wert zu sein, wäre nicht augenfällig, dass “Zensursula”, wie sie mittlerweile in der Netzgemeinde gerne genannt wird,  sämtliche Diskussionen, die es darüber gegeben hat, inklusive der Petition gegen die Netzsperren, konsequent ignoriert.

Ein Video auf Youtube zeigt die Rede der Politkerin, während der sie dickköpfig auf ihrer Lösung zur Eindämmung von Kinderpornographie beharrt und dabei geflissentlich sämtliche Einwände gegen Netzsperren missachtet. `Auf carta.info beklagt Robin Meyer-Lucht denn auch, wie “irreführend und polemisch” die Ministerin das Thema einsetzt, und wirft ihr eine “atemberaubende Doppelbödigkeit im Auftreten” vor, da sie sich auf der Berliner Bühne bereits viel differenzierter und einsichtiger zum Thema geäußert habe.´ Das ist übrigens die vergleichsweise sehr höfliche und zurückhaltende Kritik an von der Leyen; in den Kommentaren zum Video finden sich Beiträge, die nicht gerade von einer gut ausgeprägten Diskussionskultur zeugen…

Hier gefunden: sueddeutsche.de

 

Von Angie gegruschelt

24. Juli 2009 von hn

Dass Angela Merkel einen eigenen Video-Podcast besitzt ist hinlänglich bekannt, ebenso dass sie ein Profil auf studiVZ besitzt, wo jeder neue Fan die freundliche Nachricht erhält: “Angela Merkel hat Dich gegruschelt.” Jetzt nähert sich unsere Bundeskanzlerin dem Web weiter an, demnächst will sie auf Facebook und der CDU-eigenen Seite “teAM Deutschland” auch Fragen von Bürgern beantworten.

Klingt gut, hat aber einen Haken… Wer Angela Merkel Fragen stellen will, muss zunächst einmal Mitglied im teAM Deutschland werden. Damit ist der Auswahlprozess aber noch nicht beendet. Die gestellten Fragen werden zur Abstimmung gestellt, am Ende will Angela Merkel dann die Fragen mit den besten Bewertungen per Videobotschaft beantworten. “Dies sei ‘ein besonderes, exklusives Angebot’ an ihre Unterstützer, begründet eine CDU- Sprecherin die Einschränkung.”

Die bislang gestellten Fragen inklusive ihrer Bewertung kann man sich auf der Seite von teAM Deutschland anschauen. Auffällig dabei ist, dass die Fragen mit den positiven Bewertungen klar tendenziös zugunsten der bevorzugten Unionsthemen ausfallen, die eher kritischen Fragen haben fast durchgehend negative Bewertungen. Auf Platz drei der besten Bewertungen findet sich beispielsweise folgende Frage: “Liebe Frau Bundeskanzlerin, was wollen sie tun um Integrationsunwillige Mitbürger (wie Statistiken zeigen oft aus dem Kulturkreis Islam), die neben unserer Gesellschaft leben, in unsere Gesellschaft zu assimilieren? Was wollen sie aber tun, wenn dazu keine Bereitschaft besteht und unsere Kultur abgelehnt wird?”

Anderen Netz-Plattformen wie beispielsweise “abgeordnetenwatch.de” verweigert sich die Kanzlerin seit Jahren konsequent. Die Begründung liefert auch hier die CDU-Pressesprecherin: “Die Plattform abgeordnetenwatch, die unter der Schirmherrschaft der ehemaligen Verfassungsrichterin Jutta Limbach steht, sei ein ’selbsternannter Vermittler’ zwischen Parlamentariern und Bürgern und biete gar keinen direkten Dialog.” Andere Mitglieder ihrer Partei sehen das aber offensichtlich anders, mehr als drei Viertel aller Fragen an CDU-Abgeordnete werden von diesen beantwortet. Anscheinend muss man sich damit zufrieden geben, von der Kanzlerin gegruschelt zu werden…

Hier gefunden: donaukurier.de

Zensierte Opposition

11. Juni 2009 von hn

Die iranischen Präsidentschaftswahlen werfen ihre Schatten voraus. Da der Iran gemeinhin nicht gerade als Leuchtturm im Meer der Meinungsfreiheit gilt, war fast zu erwarten, was nun gemeldet wird: Die Opposition wird im Wahlkampf unterdrückt und zensiert. Der jüngste Vorfall ist die Sperrung von Facebook, das fast eine Woche lang nicht online war. Der amtierende Präsident Ahmadinedschad streitet eine Beteiligung an der Sperrung allerdings ab.

Die naheliegendste Begründung für die Sperre: Auf Facebook wird eine ambitionierte Debatte über den Herausforderer Ahmadinedschads, Mir-Hussein Mousavi, geführt, während der Amtsinhaber selber auf Facebook nahezu nicht existent ist.

Eine Zensur findet allerdings nicht nur im Netz statt, auch die Printmedien und das Fernsehen werden unter Druck gesetzt. Nachdem die Zeitung “Yas -e -No” seit über fünf Jahren überhaupt zum ersten Mal wieder erscheinen durfte, wurde nach nur einer Ausgabe das Erscheinen wieder eingestellt. Der Grund: “Yas-e-No” titelte “Khatami-Mousavi für Iran”, eine klare Parteinahme für den reformorientierten Mousavi und ein Verweis auf seine Nähe zum moderaten Ex-Präsidenten Khatami. Das Ministerium für Kultur und islamische Führung reagierte sofort; die Zeitung musste ihr Erscheinen erneut einstellen.

Auch das staatliche Fernsehen (Privatsender gibt es im Iran nicht), dessen Programmdirektion vom geistigen Oberhaupt Ayatollah Khamenei ernannt wird, zeigt  wenig Interesse an Auftritten von Gegenkandidaten und zensiert und kürzt deren Reden und Beiträge. Die Reihe lässt sich nahezu beliebig fortsetzen: Werke von Schriftstellern werden verboten, beispielsweise das aktuelle Buch  “Wer mag Verlierer?” des bekannten Romanciers Shams Langeroudi. Gleiches gilt für die Zeitungen: Vergangene Woche erschien in der reformorientierten Zeitung “Etemaad” eine Interview mit Noam Chomsky, aus dem alle kritischen Passagen, beispielsweise zum Holocaust oder dem iranischen Atomprogramm, in einem Anflug von Selbstzensur gestrichen wurden. Das Ergebnis: Ein Drittel des Interviews fehlte…

Trotz verschiedenster Zensurmaßnahmen lässt sich die Opposition nicht unterkriegen und greift zu anderen Wahlkampfmitteln: Millionen Iraner bloggen, schicken E-Mails und SMS oder weichen zur Informationsfindung auf ausländische TV-Sender aus, die über Satellit empfangbar sind.

Hier gefunden: freitag.de

Ist denn schon Wahlkampf?

20. März 2009 von ak

Im Netz? Ja. Die deutschen Parteien-Auftritte im Internet haben sich gemausert. Anstelle des früheren “Schaukastenflairs” der SPD-Seite versprüht meinespd.net Social-Media-Charme. Die Kampagnenseite der CDU TeAM Deutschland und auch der Video-Channel verbreiten eben dies: Social Campaigning und Grass-Roots-Transparenz wie Barack Obama, bitte.

Die Grünen, Liberalen und Linken setzen ebenfalls auf Alternativen zum Canvassing-Stand und engagieren sich mit deutlichen Unterschieden im Netz, je nach Parteikultur. Wirft man z. B. einen Blick auf das Twitter-Aggregat “Parteigeflüster” wird sehr schnell klar: “Im direkten Vergleich mit den glänzenden Erfolgen der Netzpolitik im amerikanischen Wahlkampf erscheinen die Netzaktivitäten deutscher Parteien geradezu kümmerlich.”

Hier gefunden: Telepolis

Die “Blogette” auf Wahlkampftour

20. Oktober 2008 von hn

Was Obama kann, kann ich schon lange - dachte sich wohl Meghan McCain, die Tochter des republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain. Dies beschert interessierten Lesern nun die Möglichkeit, unter der Überschrift “Musings and Pop Culture on the Political Trail” (Grübeleien und Pokultur auf der Wahlkampftour) den Überlegungen der Kandidatentochter in ihrem Blog “McCain Blogette” zu folgen.

Zu sehen sind hauptsächlich immer gleich wirkende Fotos von Wahlkampfauftritten in verschiedensten Städten, dazu gibt es dann den Song des Tages - beispielsweise “Going On” von Gnarls Barkley. Der Name ist Programm. Ein echter Blick hinter die Kulissen das Wahlkampfs ist das nicht, aber das scheint auch nicht das Ziel von Meghan McCain zu sein, die einfach nicht über Politik schreiben will , denn nach eigener Aussage „ist das nicht meine Aufgabe, weil ich nicht die Kandidatin bin“.

Stattdessen schreibt sie lieber, wie toll ihr Vater ist oder beschäftigt sich mit den Schuhen von Henry Kissinger. Warum ihr Vater einfach der beste Präsident ist, können auch schon die Allerjüngsten offline aus ihrer Bilderbuch-Biographie “My Dad, John McCain” erfahren, momentan ein Bestseller in den USA. Was auf der Seite natürlich nicht fehlen darf, ist ein Link zum offiziellen Online-Store von “McCain Blogette”, da kann man dann Shirts, Baseball-Caps oder Kaffebecher mit dem Aufdruck “Lovin´McCain” erstehen. Ein Teil der Erlöse geht an eine Organisation, die College-Ausbildung für die Kinder von im Irak oder in Afghanistan gefallenen US-Soldaten finanziert.

Hier gefunden: faz.net

Wahlentscheidung per Mausklick

16. Oktober 2008 von hn

Wer bereits jetzt wissen möchte, wie die Wahl zum US-amerikanischen Präsidenten ausgehen wird, sollte sich das Tool “Electoral Vote Tracker” ansehen. Zu finden ist es auf den Seiten der wichtigsten amerikanischen Leitmedien wie etwa der New York Times, der L.A. Times oder CNN. Der Nutzer kann entscheiden, welcher Staat von welchem Kandidaten gewonnen wird und so das Ergebnis der Wahl vom 5. November prognostizieren.

Insgesamt ist die kommende US-Wahl gekennzeichnet von einer neuen Qualität der Internet-Nutzung, sowohl seitens der Kandidaten als auch der Medien. Diese berichten online wesentlich breiter als bei vergangenen Wahlen, so existieren etwa Live-Blogs bei Debatten der Kandidaten und auch Twitter bietet mit www.election.twitter.com die Möglichkeit, seine Meinung kundzutun. Wer sich umfassender informieren will sollte auf www.realclearpolitics.com nachschauen.

Auch in Deutschland gibt es einige Seiten zum Thema, eine der umfangreichsten ist www.uswahl2008.de, ein Blog des «Handelsblatt»-Journalisten Georg Watzlawek. Auch die Landeszentralen für politische Bildung bieten Informationen zur US-Wahl, beispielsweise unter www.lpb-bw.de/uswahl/index.php. Selten in der Geschichte gab es also die Möglichkeit, sich derart umfassend über eine Wahl zu informieren. Am 5. November schließlich kann dann jeder sehen, ob er mit seiner Prognose richtig lag…

Hier gefunden: Naumburger Tageblatt, Mitteldeutsche Zeitung

Ein Blogger ist ein Blogger ist ein … Journalist?

2. September 2008 von hg

Der wachsenden Bedeutung des Bürgerjournalismus in den USA hat die Demokratische Partei bei ihrem Nominierungsparteitag in Denver Tribut gezollt. Mit 120 offiziell akkreditierten Bloggern hat sich deren Zahl im Vergleich zu 2004 verdreifacht, auch wenn sie sich zu den 15.000 Journalisten klassischer Medien verschwindend gering ausnimmt. Außer acht gelassen werden darf diese Zielgruppe aber nicht, da der US-Wahlkampf auch im Internet mit zunehmendem Aufwand geführt wird.

Die akkreditierten Blogger sehen ihren Vorteil darin, frecher und direkter zu sein. Sie belegen Nischenthemen, die von etablierten Medien nicht abgedeckt werden. Eine weitere Vermutung für den Terraingewinn ist eine Aufpasserfunktion gegenüber den klassischen Medien, die z.B. im Irakkrieg nicht genügend Distanz zur Regierungspropaganda aufbauen konnten.

Andere Beobachter sehen die journalistische Funktion der Blogger kritischer. Sie bezweifeln, dass sie originäre Nachrichten erzeugen und sehen sie in einschränkender Abhängigkeit von den großen Mediennetzwerken und -konzernen, die ihre Korrespondenten und Reporter dahin schicken können, wo Nachrichten passieren und die genügend Ressourcen für das Sammeln und Auswerten von Daten und Fakten haben.

Hier gefunden: medianet.at, The Associated Press

 

Schweigen im Walde - deutsche Politiker und Web 2.0

10. Juli 2008 von hn

Die USA machen es mal wieder vor: schon im Vorwahlkampf nutzten die Kandidaten das Internet zur Wählermobilisierung, gleiches gilt nun für den Wahlkampf zwischen dem Demokraten Barack Obama und dem Republikaner John McCain. Vertreten sind sie auf allen wichtigen Plattformen, von YouTube über Myspace, Facebook und Twitter bis hin zu Blogs. Alle Kandidaten besitzen Profile bei den wesentliche sozialen Netzwerken, Barack Obama beispielsweise hat bei Facebook 1,1 Millionen Freunde, John McCain bringt es immerhin auf 340.000 Freunde.

Anders sieht es in Deutschland aus. Politiker und Web 2.0? Nahezu Fehlanzeige - Angela Merkel bringt es gerade mal auf 340 Freunde, womit sie aber in Deutschland den Spitzenplatz einnimmt und auch mit ihrem wöchentlichen Podcast ganz weit vorne liegt. Bei diesem Podcast fehlt allerdings die Kommentarfunktion für User, die bei den amerikanischen Politikern ganz selbstverständlich ist. Hier hat die SPD die Nase vorn, bei der Videoreihe “Ihre Fragen an Kurt Beck” können die User via YouTube Fragen an Beck richten, die dann ebenfalls via YouTube beantwortet werden.

Die Netzauftritte deutscher Politiker nehmen sich also äußerst bescheiden aus, ein schweres Versäumnis, wie Falk Lüke, Mitarbeiter der Studie “Politik und Web 2.0″ der Onlineagentur Newthinking, konstatiert: “Wenn die Parteien überleben wollen, müssen sie ins Netz. Da sind die jungen Menschen. In Deutschland ist eine Politikergeneration an der Macht, die damit kokettiert, nicht zu wissen, wie der PC angeht. Da ist es kein Wunder, dass die Internetauftritte nicht internationalen Standards genügen.” Dennoch erwartet Lüke ein sprunghaftes ansteigen der Online-Aktivitäten deutscher Politiker im nächsten Jahr- aber, liebe Politiker, nicht wieder alle Aktivitäten einschlafen lassen wie nach der vergangenen Bundestagswahl, davor hatten fast alle einen Blog, aber danach? Schweigen im Walde, oft nach nur einem einzigen Beitrag…

Hier gefunden: boerse-online.de, Financial Times Deutschland

Politiker im Netz: Wir experimentieren noch!

2. April 2008 von mah

Der laufende US-Wahlkampf dehnt sich bereits wie selbstverständlich auf soziale Netzwerke wie Facebook und Co. aus und nutzt alle erdenklichen Methoden des Word-of-Mouth-Marketings. Meist noch besser als gute Nachrichten verbreiten sich allerdings die schlechten - Patzer, Lügen und Hassbotschaften. Auch in Deutschland setzen sich politische Kommunikatoren verstärkt mit den Chancen der Online-Kommunikation auseinander. Allerdings befänden sich die Parteien hier noch in der “Experimentierphase.” Nach Einschätzung des Kommunikationsforschers Jan Schmidt vom Hamburger Hans-Bredow-Institut für Medienforschung würden Online-Wahlkämpfe in nächster Zeit auch nicht so einen hohen Stellenwert einnehmen wie in den USA.

Hier gefunden: Focus Online, Tommorrow Online, n-tv.de