Einträge mit dem Tag ‘USA’

Web-Radio in “echt”

26. Oktober 2009 von hn

In den USA hat das Web-Radio Jelli eine Vereinbarung mit dem Radiobetreiber Triton Digital geschlossen und wird ab 2010 landesweit auf etwa 4.500 Stationen zweimal täglich einen festen Sendeplatz erhalten. Im Netz ist der Sender mit drei Kanälen rund um die Uhr vertreten.

Da Jelli sich als “demokratisches Radio” versteht, bestimmen die User über ihr Votum, welche Titel in welcher Reihenfolge gespielt werden. Mithilfe von “Bomben” und “Raketen”, die nur eingeschränkt zur Verfügung stehen, können Titel an die Spitze gebracht oder aus den Playlisten enfernt werden. Sogar der Abbruch eines bereits laufenden Songs soll möglich sein. Via Telefon oder Twitter sollen die Nutzer auch selbst zu Wort kommen können, Twitter-Nachrichten werden dann über eine Text-to-speech-Engine vorgelesen. In Deutschland betreibt der private Radiosender bigFM ein ähnliches Projekt, das nächste Ziel von Jelli soll Australien sein.

Hier gefunden: heise.de

Kriegsgezwitscher

5. Juni 2009 von hn

Nachdem die US-Army bereits einen YouTube-Ableger für ihre Truppen gestartet hat, berichten nun die Streitkräfte per Twitter-Feed von Kampfhandlungen aus Afghanistan. In einem Eintrag heißt es: “Bringing the mission in Afghanistan directly to the people thru Twitter, Facebook and YouTube; watch vids, see pics, post ur comms.” Die Absicht dahinter: Die US-Army befürchtet, im “Propaganda-Krieg” ohne zeitgemäße eigene PR-Maßnahmen gegenüber der islamistischen Propaganda zurückzufallen und ihr kampflos das Feld überlassen zu müssen.

Nach eigenen Angaben wollen die Streitkräfte aber nicht nur Informationen liefern, sondern auch in einen Dialog mit Menschen aus aller Welt treten. Ob dies gelingen kann erscheint eher zweifelhaft, schaut man sich die Posts auf Twitter an, ist ein Informationsmehrwert oder gar ein Dialog nur schwer zu erkennen. Die Meldungen sind doch alle sehr ähnlich: Verhaftungen hier, Anschläge dort, Kampfhandlungen und Tote überall… Im Prinzip also das, was bei kriegerischen Auseinandersetzungen zu erwarten ist.

Hier gefunden: business-und-it.de, crn.de

Facebook und der Holocaust

13. Mai 2009 von hn

Nachdem es längere Zeit eher ruhig um Facebook war, steht das soziale Netzwerk nun einmal mehr in der Kritik. In der Vergangenheit vor allem wegen Datenschutzverletzungen angegriffen, wird Facebook nun scharf kritisiert ob seines laxen Umgangs mit Holocaust-Leugnern. Nach der Beschwerde eines amerikanischen Anwalts, der Facebook vorwarf, insgesamt fünf Gruppen von Holocaust-Leugnern zu tolerieren, wurden zwei der betroffenen Gruppierungen gelöscht.

‘”Zwei der Gruppen wurden gesperrt, aber die anderen drei bleiben aktiv”, erklärte Facebook-Sprecher Barry Schnitt. “Wir überwachen die Diskussionen zwischen unseren Mitgliedern, um festzustellen, ob sie Hass oder Gewalt fördern.” Im Gespräch mit Techcrunch erklärte Schnitt: “Die Leugnung des Holocaust ist keine Verletzung unserer Nutzungsbedingungen.” In der Tat ist in den USA, anders als in Deutschland, das Leugnen des Holocaust nicht unter Strafe gestellt. Inzwischen blockiert Facebook den Zugang zu den umstrittenen Gruppen für deutsche IP-Adressen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, was für Facebook eine Verletzung der Nutzungsbedingungen darstellt. So hat Facebook beispielsweise einige Nutzerinnen komplett verbannt, weil diese Fotos hochgeladen hatten, die sie beim Stillen ihrer Babys, also auch Teile ihrer Brust, zeigen. Die Begründung von Facebook: Die Bilder enthielten obszöne Inhalte und würden somit die Nutzungsbedingungen verletzen. Von Deutschland aus ist diese Diskussion sicherlich nur schwer nachvollziehbar: Holocaust leugnen ist in Ordnung, aber Bilder von stillenden Müttern sind anstößig?

Hier gefunden: silicon.de

re:publica 09

6. April 2009 von mah

Statt einer ausführlichen Nachlese zu einer Konferenz, die an unterschiedlichen Stellen bereits vollzogen wurde, anbei ein paar subjektiv ausgewählte Erkenntnisse:

  • “Shift happens” - Das Motto der re:publica wird in vielen Bereichen deutlich. Immer mehr Menschen wird klar, dass sich Kommunikation und Mediennutzung verändern (deutlich wird dies nicht zuletzt über den Andrang auf der Konferenz und an der Masse der Beiträge über die Konferenz).  Allerdings weiß noch kaum jemand, wie man mit dieser Erkenntnis umgehen soll. Don Dahlmann drückt das treffend aus:  “Niemand negiert, dass der Wandel da ist, aber keiner weiß, was man mit ihm anfangen soll.”
  • Politik 2.0: Politik und vor allem der Wahlkampf ist immer ein Thema, bei dem man nicht an den USA vorbeikommt. Deshalb hat dieser Themenkomplex auf der Konferenz auch einen großen Teil eingenommen. Interessant: Obamas Online-Aktivitäten waren gar nicht 2.0, sondern 1.5, nämlich relativ kontrolliert (in Anlehnung an Lilleker/Jackson). Das Internet wurde in erster Linie genutzt, um Wählerstimmen zu gewinnen.  Spenden sammeln war nur ein Unterziel. Damit das funktionierte, gab es für jede Online-Aktivität ein Offline-Pendant (z.B. Nachbarschaftstreffen, Gespräche). In der Öffentlichkeitsarbeit standen klassische Medien im Mittelpunkt, nicht Social Media. In einem Interview mit der taz formuliert Obama-Wahlkampfberaterin Mary C. Joyce ihren Standpunkt folgendermaßen: “Das Internet ist ein Instrument, kein Ziel an sich.”
  • Medizin 2.0: Auch im Bereich Medizin und Gesundheitsversorgung tut sich einiges. Mehr Transparenz in der Auswahl der Ärzte ermöglichen Ärztebewertungsportale. Ein sehr detaillierter Austausch über Symptome und Medikationen findet in Patientencommunities statt. Bleibt die spannenden Frage: Wie stark werden auch in Deutschland in Zukunft Entscheidungen über die Wahl des Arztes, Behandlungsformen und Medikationen von solchen Austauschplattformen beeinflusst? Also unabhängig von Apothekern und den Ärzten selbst.

Das große Zeitungssterben

2. März 2009 von hn

In den USA wütet die größte Printmedienkrise, die das Land je erlebt habt. Seit März 2007 sind bislang elf Blätter komplett vom Markt verschwunden, selbst für die großen US-Verlage sieht es momentan ähnlich düster aus. Vier von ihnen sind insolvent und mussten bereits Gläubigerschutz anmelden. Der spektakulärste Fall darunter dürfte die “Tribune Company” sein, Herausgeber der “Chicago Tribune” und der “Los Angeles Times”. Selbst die “New York Times” steckt in Schwierigkeiten und musste sich vom mexikanischen Medien-Tycoon Carlos Slim Helu mit 250 Millionen Dollar unter die Arme greifen lassen.

Als Ursache wird vielfach die Wirtschaftskrise  und der mit ihr verbundene Einbruch der Werbeerlöse genannt. Dies betrifft vor allem den privaten Kleinanzeigenmarkt, der zu großen Teilen ins Internet abgewandert ist. Eine weitere Ursache ist die immer weiter sinkende Bereitschaft, für Informationen zu bezahlen, ein Großteil nutzt mittlerweile ausschließlich das Web zur Informationsbeschaffung.

Die Lösungsvorschläge sind vielfältig und reichen von Staatsbeteiligungen bis hin zu engerer Zusammenarbeit zwischen Journalisten und Bloggern. “Zeitungsjournalisten werden nicht überleben, wenn sie in der aufstrebenden Bloggerkultur argwöhnisch einen Feind wähnen, der ihnen ans Leder will, sondern nur, wenn sie Blogger, Online-Kolumnisten und andere Internet-Solitäre mit offenen Armen empfangen, um gemeinsam mit ihnen gegen Korruption und Unrecht zu recherchieren”, so die Medienwissenschaftler Stephan Weichert und Leif Kramp in ihrem aktuellen Fachbeitrag in der Zeitschrift “Medienheft”.

Auch Deutschland ist von der Krise betroffen, bei “Spiegel” und “Focus” werden die Anzeigenrückgänge auf bis zu 50 Prozent beziffert. Dazu Spiegel-Geschäftsführer Ove Saffe: “Es wird viel schlimmer werden, als wir es uns bisher vorstellen können.”

Hier gefunden: bernerzeitung.ch

Geheimnisse aus Bagdad

16. Februar 2009 von hn

Der republikanische Abgeordnete und Mitglied des Geheimdienstausschusses Peter Hoekstra hat Informationen über eine geheime Reise des Ausschusses in den Irak via Twitter der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Reise sollte geheim gehalten werden da bei Besuchen hochrangiger US-Delegationen immer die Gefahr eines Terroranschlags besteht. Auch US-Medien, die im Vorfeld Wind von der geplanten Reise bekommen hatten, hielten sich an die Geheimhaltung und wollten erst nach der Rückkehr der Delegation davon berichten.

So weit, so gut - bis Hoekstra anfing zu twittern, was offenbar direkt nach der Landung in Bagdad geschah. Somit wussten nicht nur seine Angehörigen, sondern auch die 3700 Abonnenten seines Tweets sofort Bescheid, wo der Abgeordnete sich gerade aufhielt. Weitere Nachrichten folgten und lösten in den USA eine Debatte um die Frage aus, ob ein Politiker öffentlich und in Echtzeit über eine streng geheime Reise in ein Krisengebiet plaudern darf?

Hoekstra selbst bezeichnete das alles als “viel Lärm um nichts”, der Geheimdienst der US-Armee dürfte das aber vermutlich anders sehen. Dieser warnte bereits vergangenen Oktober vor den Gefahren von Twitter: “Twitter werde von ‘Sozialisten, Menschenrechtsgruppen, Kommunisten, Vegetariern, Anarchisten, religiösen Gemeinschaften, Atheisten, politischen Schwärmern, Hackern und anderen’ benutzt, um gemeinsame Aktionen durchzuführen.” Zu diesen Aktionen könnte auch die Planung von Anschlägen gehören, beispielsweise indem Terroristen die Tweets von Soldaten abonnieren und so Informationen über deren Einheit und Einsatzort erhalten. Was lernen wir daraus? Vorsicht beim twittern aus Krisengebieten, sonst nutzen Vegetarier die Informationen zur Anschlagsplanung…

Hier gefunden: heute.de

Das gedruckte Blog

26. Januar 2009 von hn

In den USA startet am 27. Januar ein interessantes Experiment. “Wir versuchen, die erste gedruckte Tageszeitung auf die Beine zu stellen, die ausschließlich aus Blog-Einträgen und anderen User-generierten Inhalten besteht”, erklärt Joshua Karp, Gründer und Herausgeber des “The Printed Blog”. Der Start erfolgt zunächst als wöchentliches Gratis-Blatt in Chicago und San Francisco, langfristig angedacht ist eine Erscheinungsweise von zweimal täglich.

Der Gründer zeigt sich überzeugt vom Erfolg seines Produktes.”‘The Printed Blog’ wird die Art und Weise, wie Menschen Nachrichten und andere Informationen konsumieren, grundlegend verändern”, so Karp. Auf der Website von “The Printed Blog” ruft Karp dann auch gleich die Nutzer dazu auf, Inhalte zur Verfügung zu stellen.

Durch dieses Vorgehen verspricht sich das Blatt einen großen wirtschaftlichen Vorteil gegenüber anderen Titeln auf dem momentan schwer gebeulteten Markt für Print-Erzeugnisse. Ein beträchtlicher Teil des Budgets von herkömmlichen Zeitungen entfällt auf Mitarbeiter und Recherche, durch die erhoffte Beteiligung der Web-Community sollen diese Kosten bei “The Printed Blog” nicht entstehen und das Blatt somit wirtschaftlicher werden lassen. Auf jeden Fall ein interessantes Geschäftsmodell: andere die Arbeit machen lassen und selber daran verdienen. Ob sich Outsourcing an unbezahlte Amateur-Journalisten als neuer Trend etablieren lässt bleibt aber abzuwarten…

Hier gefunden: htmlopen.de, kleinreport.ch

Betteln via Internet

8. Dezember 2008 von hn

Die schwer angeschlagenen US-Automobilkonzerne gehen einen neuen Weg, um auf ihre Probleme aufmerksam zu machen und an Finanzhilfen des Staates zu gelangen. Ford, General Motors und Chrysler versuchen, mit Hilfe von Kampagnen in Social Networks und Blogs ihr Anliegen an den US-Senat möglichst schnell und reichweitenstark zu kommunizieren. Zusätzlich schalten sie eigene Webseiten wie beispielsweise TheFordStory.com, veröffentlichen Videos auf YouTube oder buchen Schlagworte bei Google AdWords.

Die nach Angaben der Branche kostengünstigen Kampagnen sollen nicht nur das Verständnis für Staatshilfen fördern, sie verfolgen auch breiter angelegte Ziele. Nach Angaben des Wall Street Journal versuche etwa General Motors seine Kunden und Vertragspartner dazu zu bewegen, sich mit dem Hinweis, dass der eigene Geschäftsbereich von einem Zusammenbruch stark betroffen sei, vor dem US-Kongress für die Automobilbranche einzusetzen.

Hier gefunden: medienhandbuch.de

Kontrolliertes Entertainment für die Truppen

14. November 2008 von hn

Das Pentagon macht sich anscheinend Gedanken über den Umgang seiner Soldaten mit Social-Networking-Websites. Nachdem in der Vergangenheit Bilder und Informationen von Soldaten auf Seiten wie YouTube auftauchten, blockierte das amerikanische Verteidigungsministerium den Zugang, nutzte das Medium aber selber um Videos von den multinationalen Truppen im Irak zu verbreiten.

Nun hat das Pentagon, beziehungsweise dessen Abteilung Military OneSource, das Videoportal TroopTube.tv eröffnet, das es Soldaten ermöglichen soll, mit Familie und Freunden zu kommunizieren - ohne dass dabei geheime Informationen bekannt werden oder die Sicherheit gefährdet wird. Um so etwas zu verhindern werden alle Beiträge erst einmal kontrolliert, später können dann alle interessierten Nutzer darauf zugreifen.

Die Spezialisierung der Tube-Portale schreitet also weiter voran, erst YouTube, dann GodTube und nun TroopTube, was wird uns als nächstes erwarten?

Hier gefunden: heise online

Plagiatoren aus Deutschland

24. Oktober 2008 von hn

YouTube oder MyVideo? Facebook oder StudiVZ? Del.icio.us oder Mister Wong? Das Web diskutiert momentan über die Frage, ob deutsche Start-ups uncool sind. Aufgeworfen wurde die Frage vom Top-Blogger Robert Basic. Mit Ausnahme von StudiVZ, das Facebook hierzulande keine Chance lässt, nutzen deutsche Surfer viel häufiger amerikanische Plattformen als einheimische.

Ein Grund dafür ist vermutlich die Tatsache, dass deutschen Plattformen oft der Makel der Kopie anhaftet. Der Vorwurf ist sicherlich nicht unberechtigt, MyVideo beispielsweise gilt als Kopie von YouTube, ebenso Mister Wong von Del.icio.us oder StudiVZ von Facebook. Dennoch bildet StudiVZ eine Ausnahme, da kaum jemand das US-Vorbild kannte, als StudiVZ in Deutschland startete, und es insofern hierzulande als Innovationstreiber gilt.

Die Innovationen aus Deutschland sind rar, aber sie sind vorhanden. Zu nennen wären beispielsweise MyMuesli, dass Bio-Müslis zum selber zusammenstellen liefert, Plazes, dass gerade von Nokia gekauft wurde oder aromicon, eine Wein-nach-Geschmack-Suchmaschine. Alle diese Modelle funktionieren und sind Beleg für Innovationen aus der deutschen Netzwelt, also warum immer wieder abkupfern und sich Plagiats-Vorwürfe gefallen lassen?

Hier gefunden: meedia.de