Einträge mit dem Tag ‘Online-Journalismus’

Blogger vs. Süddeutsche Zeitung Magazin

12. Mai 2009 von ks

Die Deutschen können nicht bloggen - so in etwa lautet die Quintessenz eines Artikels des Reuters Mitarbeiters und Bloggers Felix Salmon. Diesen Artikel hat das “Süddeutsche Zeitung Magazin” nun leicht modifiziert in einem Themenheft gedruckt und damit die Gunst der Stunde genutzt, um “wieder einmal ein Schüsschen auf die deutsche Blogszene abzufeuern”.

Unter der Federführung (vgl. seinen Artikel: Schöner sterben mit dem “SZ-Magazin”) des Medienbloggers Stefan Niggemeier springt die “gewohnt empfindliche Bloggerszene sofort auf die Provokation an”  und löst eine mittelgroße Debatte aus.

Anders als in den USA ist es wohl typisch für Deutschland, dass sich  Blogs und klassische Medien, wenn sie sich ausnahmsweise miteinander beschäftigen, gegenseitig bekriegen und anfeinden. In den USA ist man diesbezüglich viel weiter und probt längst innovative Formen der Zusammenarbeit. Erste Versuche der FAZ, des Handelblatts, der Zeit, des Freitag und sogar der Bild zeigen, dass man solche Kooperationen noch viel stärker ausbauen könnte. Eine solche Bereitschaft zur Vernetzung aber lassen gerade die Süddeutsche, Spiegel Online oder die FTD gänzlich vermissen. Das hat direkte Konsequenzen: Medien, die sich mit Blogs verlinken oder gar eigenen Beiträgen von Bloggern öffnen, erhalten von der Blogosphäre größere Aufmerksamkeit in Form von Links. Dies kann in Zeiten, in denen die Bedeutung und Reichweite von Blogs zunimmt, entscheidend für die künftige Relevanz in der Medienlandschaft sein.

Allerdings wäre wohl auch ein wenig mehr Kooperationsbereitschaft und “Respekt” gegenüber den klassischen Medien seitens der Blogger nicht schlecht, benötigen sie diese doch als zentralen Nachrichtenlieferanten und Multiplikator. Spannend wäre es in jedem Fall, wenn sich beide Seiten noch mehr vernetzen und gemeinsam Produktives schaffen würden.

Ach ja, eine Parodie der Salmon-Thesen hat Klaus Jarchow in seinem Blog Stilstand verfasst. Die vielleicht beste Antwort auf dieses Debättchen.

Hier gefunden: sharewise.com

Twitterer in den Zeugenstand

13. März 2009 von mah

Der Amoklauf von Winnenden wirft viele Fragen auf. Im Zusammenhang mit der Medienberichterstattung und Online-Informationen ist dies derzeit: Inwiefern wird Twitter immer häufiger Informationsquelle und damit auch Quelle für Journalisten? Vergangene Ereignisse wie die Notlandung eines Flugzeugs auf dem Hudson River in New York oder aber auch die Terror-Anschläge in Mumbai haben gezeigt, dass Microblogger immer die Ersten waren, die darüber berichteten, weil sie zufällig vor Ort waren.

Der Stern schreibt: “Twitter entpuppt sich immer mehr zum Lebensticker einer ganzen Generation” und kritisiert den ungefilterten Umgang der Einzelnen mit den Informationen, oft unbedacht und abseits von journalistischen Standards. “Wenn der Pöbel gleichzeitig zum Nachrichtenempfänger und Versender wird, bleibt häufig viel auf der Strecke.”

Allerdings nutzen Journalisten Twitterer vor Ort gern als Quellen oder Zeugen. Und dafür handeln sie sich Schelte ein: Grundsätze der journalistischen Arbeit blieben so auf der Strecke, der Wahrheitsgehalt dieser Informationen sei ungeprüft. An anderer Stelle bewegen sich Journalisten durch die für sie oft neu entdeckten Kommunikationsmöglichkeiten oft abseits des guten Geschmacks. So beleuchtet Blogger Stefan Niggemeier das Verhalten von Focus Online und Zeit Online im Bezug auf den Amoklauf: “Man muss es nicht gleich ‘pervers’ nennen, aber es ist in jeder Hinsicht unangemessen. Es geht um Pietät, Prioritäten und Perspektive.”

Hier gefunden: stern.de, medienhandbuch.de, dcrs.de, stefan-niggemeier.de

Das gedruckte Blog

26. Januar 2009 von hn

In den USA startet am 27. Januar ein interessantes Experiment. “Wir versuchen, die erste gedruckte Tageszeitung auf die Beine zu stellen, die ausschließlich aus Blog-Einträgen und anderen User-generierten Inhalten besteht”, erklärt Joshua Karp, Gründer und Herausgeber des “The Printed Blog”. Der Start erfolgt zunächst als wöchentliches Gratis-Blatt in Chicago und San Francisco, langfristig angedacht ist eine Erscheinungsweise von zweimal täglich.

Der Gründer zeigt sich überzeugt vom Erfolg seines Produktes.”‘The Printed Blog’ wird die Art und Weise, wie Menschen Nachrichten und andere Informationen konsumieren, grundlegend verändern”, so Karp. Auf der Website von “The Printed Blog” ruft Karp dann auch gleich die Nutzer dazu auf, Inhalte zur Verfügung zu stellen.

Durch dieses Vorgehen verspricht sich das Blatt einen großen wirtschaftlichen Vorteil gegenüber anderen Titeln auf dem momentan schwer gebeulteten Markt für Print-Erzeugnisse. Ein beträchtlicher Teil des Budgets von herkömmlichen Zeitungen entfällt auf Mitarbeiter und Recherche, durch die erhoffte Beteiligung der Web-Community sollen diese Kosten bei “The Printed Blog” nicht entstehen und das Blatt somit wirtschaftlicher werden lassen. Auf jeden Fall ein interessantes Geschäftsmodell: andere die Arbeit machen lassen und selber daran verdienen. Ob sich Outsourcing an unbezahlte Amateur-Journalisten als neuer Trend etablieren lässt bleibt aber abzuwarten…

Hier gefunden: htmlopen.de, kleinreport.ch

“The AvaStar” erloschen

25. November 2008 von hg

Springers Boulevardblatt für die virtuelle Welt “Second Life” ist im Oktober 2008 zum letzten Mal erschienen. Rund zwei Jahre dauerte das Experiment im Metaversum an. In dieser Zeit will die betreuende Redaktion bei “Bild.de” faszinierende und gewinnbringende Erfahrungen im Umgang mit nutzergenerierten Inhalten gesammelt haben und deswegen auch weiterhin ein wohlwollendes Auge auf die Entwicklungen in virtuellen Welten haben.
Da in der realen Welt Serverspeicher und Datenverkehr auch reales Geld kosten, ist es wohl nur eine Frage der Zeit bis die Webseiten des “AvaStar” in deutsch und englisch im digitalen und realen Orkus landen. Wer bisher noch keine Gelegenheit zum Reinschauen hatte, kann sich mit den besten Themen des Jahres 2008 einen Eindruck verschaffen.

Hier gefunden: horizont.net, kress.de

Wahlentscheidung per Mausklick

16. Oktober 2008 von hn

Wer bereits jetzt wissen möchte, wie die Wahl zum US-amerikanischen Präsidenten ausgehen wird, sollte sich das Tool “Electoral Vote Tracker” ansehen. Zu finden ist es auf den Seiten der wichtigsten amerikanischen Leitmedien wie etwa der New York Times, der L.A. Times oder CNN. Der Nutzer kann entscheiden, welcher Staat von welchem Kandidaten gewonnen wird und so das Ergebnis der Wahl vom 5. November prognostizieren.

Insgesamt ist die kommende US-Wahl gekennzeichnet von einer neuen Qualität der Internet-Nutzung, sowohl seitens der Kandidaten als auch der Medien. Diese berichten online wesentlich breiter als bei vergangenen Wahlen, so existieren etwa Live-Blogs bei Debatten der Kandidaten und auch Twitter bietet mit www.election.twitter.com die Möglichkeit, seine Meinung kundzutun. Wer sich umfassender informieren will sollte auf www.realclearpolitics.com nachschauen.

Auch in Deutschland gibt es einige Seiten zum Thema, eine der umfangreichsten ist www.uswahl2008.de, ein Blog des «Handelsblatt»-Journalisten Georg Watzlawek. Auch die Landeszentralen für politische Bildung bieten Informationen zur US-Wahl, beispielsweise unter www.lpb-bw.de/uswahl/index.php. Selten in der Geschichte gab es also die Möglichkeit, sich derart umfassend über eine Wahl zu informieren. Am 5. November schließlich kann dann jeder sehen, ob er mit seiner Prognose richtig lag…

Hier gefunden: Naumburger Tageblatt, Mitteldeutsche Zeitung

Neue Arten des Journalismus

29. August 2008 von mah

Es gibt viele Ansätze, Ideen, Ängste und Visionen wie Social Media bzw. das “Web 2.0″ den Journalismus verändern. Ein Beispiel aus den USA liefert die Süddeutsche Zeitung. Es stammt vom amerikanischen Journalismus-Professor Jay Rosen. Dieser fordert von Journalisten eine neues Verständnis Ihrer Arbeit ein, nämlich dass diese versuchen, Ihr Publikum zu verstehen und sich auf Interaktionen einzulassen. Er selbst arbeitet im Hinblick auf die “Zeitungskrise” an “neue[n] Formen der Recherche und ihrer Finanzierung”.

Möglichkeiten bieten die Ansätze des crowdsourcings und crowdfoundings: Recherchebasis sind viele Quellen, denen der Journalist nachgeht und die er überprüft. Die Finanzierung dieser Arbeit beruht auf Spenden von jenen, die sich für das Thema interessieren und sich eine fundierte journalistische Arbeit darüber wünschen. Der Journalist ist direkter Dienstleister seiner Leser und geht direkt auf deren Fragestellungen ein. Beispiele für erfolgreiche oder gerade im Test befindliche Projekte in dieser Richtung ist das Weblog back-to-iraq, und das Magazin flypmedia.

Hier gefunden: Jetzt.de

Runde 1: Blogosphäre vs. Associated Press

24. Juni 2008 von hn

Die amerikanische Blogosphäre befindet sich in heller Aufregung, seit die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) vergangene Woche den Betreiber der Website Drudge Retort zum Löschen von sieben Beiträgen aufforderte, die AP-Meldungen zitierten. Dies verletze das Copyright der Agentur, so die Argumentation von AP. Die betreffenden Beiträge bestanden aus einer Überschrift, einem kurzen Textauszug und einem Link zum Originalartikel.

Die Blogosphäre witterte daraufhin eine “Kriegserklärung” der Mainstream-Medien gegen sich, da AP sich im Besitz seiner Mitglieder befindet - also nahezu der gesamten Presse und der wichtigsten Radio- und Fernsehstationen der USA. Das Zitatrecht der US-amerikanischen Medien, also auch das der Blogs, ist durch eine Ausnahme im Copyright-Gesetz, genannt “fair use”, geregelt. Viele Blogger sehen “fair use” nun in Gefahr und riefen zum Boykott von AP auf, u.a. auch das Leitblog TechCrunch.

An dieser Vorgehensweise der Blogosphäre wird allerdings auch Kritik geübt und die Reaktion als hitzköpfig bezeichnet, die Blogger zögen einen Wutanfall einer sachlichen Diskussion vor. Wie das Kräftemessen zwischen Blogosphäre und AP ausgehen wird, bleibt abzuwarten. Die Blogger warten jedenfalls “mit geballter Faust” auf die angekündigten Zitatrichtlinien von AP…

Hier gefunden: sueddeutsche.de

Preisblogger I

29. Februar 2008 von hg

Der amerikanische Blogger Joshua Marshall bricht in die Phalanx preisgekrönter investigativer Journalisten ein und erhält den Georg Polk Award im Bereich der Justizberichtserstattung.

Seine Recherchen zu den im Jahr 2006 durchgeführten Absetzungsverfahren von Bundesstaatsanwälten führte dazu, dass traditionelle Medien das Thema aufgriffen und letztendlich der damalige US-Justizministers Alberto Gonzales zurücktreten musste.

Journalistisch-professionell ist auch seine Arbeitsweise. In Marshalls New Yorker Büro arbeiten sieben Redakteure, die von zwei Korrespondenten aus Washington unterstützt werden. Die Kosten werden durch Werbung und Spenden gedeckt.

Hier gefunden: NZZ Online

Preisblogger II

29. Februar 2008 von hg

Im Januar dieses Jahres mit dem Goldenen Prometheus für sein Videoblog “Matusseks Kulturtipp” ausgezeichnet, steht Matthias Matussek, Ex-Kulturchef des Spiegels, dem medienhandbuch.de Rede und Antwort. Als eines der Geheimnisse seines Erfolgs betrachtet er den konsequenten Verzicht auf Regeln.

Sein Wirken sieht er als anarchisches Vergnügen. Das einzig wiederkehrende Element sei der Kommentar zur Welt als persönliche Note.

Hier gefunden: medienhandbuch.de

News für “Medienmacher”

21. Februar 2008 von ak

“Dass Vertreter der Medienbranche eitel sind, ist kein Geheimnis. Inzwischen lässt sich mit dieser Tatsache offenbar Geld verdienen.” In der Financial Times Deutschland porträtiert Jennifer Lachmann Online-Medien-Dienste für die Zielgruppe “Medienmacher”. Sie bedient sich sogleich bei der Bezeichnung der Zielgruppe dieser Dienste des Slogans von Peter Turi für sein “TURI2 - für Medienmacher“, der mit seinem Online-Dienst in zumindest unmittelbarer Nachbarschaft der deutschsprachigen Blogosphäre, wenn nicht gar ein Teil davon ist. Wenn man Turi glauben will, dann schreibt der Dienst schwarze Zahlen. Thomas Lückerath, Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de, kündigt das baldige Erreichen der Gewinnschwelle an.

Die interviewten Chefredakteure der etablierten Print-Branchendienste wie “Kress”, “Horizont” und “Werben & Verkaufen” verweisen darauf, dass sie im Gegensatz zur Online-Konkurrenz “breiter aufgestellt” sind und auch Themen aus der Werbe- und Marketingbranche anbieten.

Hier gefunden: FTD.de