Einträge mit dem Tag ‘Journalismus’

Öffnung oder Lernresistenz?

8. Juli 2009 von hn

Einige werden sich noch erinnnern können, wie die chinesiche Regierung mit ausländischen Pressevertretern und Medien während des Tibet-Aufstands 2008 umging: Um den Informationsfluss zu unterbrechen, wurde Journalisten der Zutritt versperrt, Online-Portale wurden gefiltert und zensiert, um eine Berichterstattung zu unterbinden. Die Folge des Ganzen: China machte sich vor aller Welt unglaubwürdig.

Um diesen Fehler nicht zu wiederholen, greift man bei den jetzigen Aufständen in der Uiguren-Provinz Xinjiang zu anderen Mitteln. Diesmal wurden von der Regierung eigens 60 Journalisten in die Provinzhaupstadt Ürümqi eingeladen, um sich vor Ort ein Bild von der Lage machen zu können. Damit soll vor allem demonstriert werden, dass man in der Lage ist, aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen und eine gewisse Offenheit im Umgang mit Medien an den Tag legen zu können. So weit, so gut, man zeigt sich also nicht lernresistent.

Allerdings kann man das Verhalten der Regierung auch als Akt der Augenwischerei deklarieren, denn das Ziel der Regierung ändert sich keineswegs: vollständige Kontrolle über alle Informationen aus den betroffenen Gebieten. Deutlich wird dies an den Bedingungen, denen sich die Berichterstatter unterwerfen müssen. So sind Gespräche mit der einheimischen Bevölkerung nur im Beisein von Regierungsmitarbeitern gestattet, ebenso müssen Bilder und Filmmaterial autorisiert werden, bevor sie veröffentlicht werden dürfen. Hinzu kommt, dass der Zugang zu sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter gesperrt ist. Lernfähigkeit wird dafür an anderer Stelle demonstriert, anscheinend hat man aus den Problemem des Irans im Umgang mit Twitter seine Lehren gezogen. Die Folge: Das Handynetz in der Stadt Ürümqi ist abgeschaltet, ergo auch keine Tweets…

Für die westlichen Medienvertreter bedeutet dies, dass sie umso mehr darauf achten müssen, sich nicht von einer vorgeschobenen Normalität beeinflussen zu lassen. Dann würden sie Gefahr laufen, eine staatlich gesteuerte Realität wiederzugeben. Auch für den Zuschauer hat dies Folgen, es ist ratsam, alle Bilder und Berichte mit Vorsicht zu genießen, denn zum Großteil dürften sie, trotz aller vorgeblichen Authentizität,  keiner objektiven Berichterstattung entsprechen.

Hier gefunden: ftd.de

Das große Zeitungssterben

2. März 2009 von hn

In den USA wütet die größte Printmedienkrise, die das Land je erlebt habt. Seit März 2007 sind bislang elf Blätter komplett vom Markt verschwunden, selbst für die großen US-Verlage sieht es momentan ähnlich düster aus. Vier von ihnen sind insolvent und mussten bereits Gläubigerschutz anmelden. Der spektakulärste Fall darunter dürfte die “Tribune Company” sein, Herausgeber der “Chicago Tribune” und der “Los Angeles Times”. Selbst die “New York Times” steckt in Schwierigkeiten und musste sich vom mexikanischen Medien-Tycoon Carlos Slim Helu mit 250 Millionen Dollar unter die Arme greifen lassen.

Als Ursache wird vielfach die Wirtschaftskrise  und der mit ihr verbundene Einbruch der Werbeerlöse genannt. Dies betrifft vor allem den privaten Kleinanzeigenmarkt, der zu großen Teilen ins Internet abgewandert ist. Eine weitere Ursache ist die immer weiter sinkende Bereitschaft, für Informationen zu bezahlen, ein Großteil nutzt mittlerweile ausschließlich das Web zur Informationsbeschaffung.

Die Lösungsvorschläge sind vielfältig und reichen von Staatsbeteiligungen bis hin zu engerer Zusammenarbeit zwischen Journalisten und Bloggern. “Zeitungsjournalisten werden nicht überleben, wenn sie in der aufstrebenden Bloggerkultur argwöhnisch einen Feind wähnen, der ihnen ans Leder will, sondern nur, wenn sie Blogger, Online-Kolumnisten und andere Internet-Solitäre mit offenen Armen empfangen, um gemeinsam mit ihnen gegen Korruption und Unrecht zu recherchieren”, so die Medienwissenschaftler Stephan Weichert und Leif Kramp in ihrem aktuellen Fachbeitrag in der Zeitschrift “Medienheft”.

Auch Deutschland ist von der Krise betroffen, bei “Spiegel” und “Focus” werden die Anzeigenrückgänge auf bis zu 50 Prozent beziffert. Dazu Spiegel-Geschäftsführer Ove Saffe: “Es wird viel schlimmer werden, als wir es uns bisher vorstellen können.”

Hier gefunden: bernerzeitung.ch

Zwei.Nulltes Deutsches Fernsehen

19. Februar 2009 von hn

Das ob seiner altbacken anmutenden Progammgestaltung oft geschmähte ZDF geht neue Wege. Seit vergangener Woche ruft die Polittalkerin Maybritt Illner via YouTube dazu auf, gefilmte Fragen an ihre Gäste zu richten. Illner ist zuversichtlich, dass dadurch die nach eigenen Angaben in der Vergangenheit “grandios gescheiterte” direkte Bindung zu den Fernsehzuschauern endlich erreicht werden kann.

Die erste Sendung dieser Art soll in der kommenden Woche zu sehen sein. “Wir machen nach Web 2.0 jetzt TV 2.0″, so Illner in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. “Natürlich werden wir nicht alle Clips in die Sendung nehmen können, aber wir sind froh, wenn drängende Fragen ein Gesicht bekommen oder wenn Fragen auftauchen, auf die wir selbst nicht gekommen sind.” Sollten die Zuschauer von Illners Sendung ausreichend web-affin sein und tatsächlich Filmchen hochladen, könnte dies ein erfolgreiches Experiment sein, das zeigt, wie man Web 2.0-Inhalte mit klassischen Medien erfolgreich verknüpfen kann.

Hier gefunden: DWDL.de

Das gedruckte Blog

26. Januar 2009 von hn

In den USA startet am 27. Januar ein interessantes Experiment. “Wir versuchen, die erste gedruckte Tageszeitung auf die Beine zu stellen, die ausschließlich aus Blog-Einträgen und anderen User-generierten Inhalten besteht”, erklärt Joshua Karp, Gründer und Herausgeber des “The Printed Blog”. Der Start erfolgt zunächst als wöchentliches Gratis-Blatt in Chicago und San Francisco, langfristig angedacht ist eine Erscheinungsweise von zweimal täglich.

Der Gründer zeigt sich überzeugt vom Erfolg seines Produktes.”‘The Printed Blog’ wird die Art und Weise, wie Menschen Nachrichten und andere Informationen konsumieren, grundlegend verändern”, so Karp. Auf der Website von “The Printed Blog” ruft Karp dann auch gleich die Nutzer dazu auf, Inhalte zur Verfügung zu stellen.

Durch dieses Vorgehen verspricht sich das Blatt einen großen wirtschaftlichen Vorteil gegenüber anderen Titeln auf dem momentan schwer gebeulteten Markt für Print-Erzeugnisse. Ein beträchtlicher Teil des Budgets von herkömmlichen Zeitungen entfällt auf Mitarbeiter und Recherche, durch die erhoffte Beteiligung der Web-Community sollen diese Kosten bei “The Printed Blog” nicht entstehen und das Blatt somit wirtschaftlicher werden lassen. Auf jeden Fall ein interessantes Geschäftsmodell: andere die Arbeit machen lassen und selber daran verdienen. Ob sich Outsourcing an unbezahlte Amateur-Journalisten als neuer Trend etablieren lässt bleibt aber abzuwarten…

Hier gefunden: htmlopen.de, kleinreport.ch

Ein Blogger ist ein Blogger ist ein … Journalist?

2. September 2008 von hg

Der wachsenden Bedeutung des Bürgerjournalismus in den USA hat die Demokratische Partei bei ihrem Nominierungsparteitag in Denver Tribut gezollt. Mit 120 offiziell akkreditierten Bloggern hat sich deren Zahl im Vergleich zu 2004 verdreifacht, auch wenn sie sich zu den 15.000 Journalisten klassischer Medien verschwindend gering ausnimmt. Außer acht gelassen werden darf diese Zielgruppe aber nicht, da der US-Wahlkampf auch im Internet mit zunehmendem Aufwand geführt wird.

Die akkreditierten Blogger sehen ihren Vorteil darin, frecher und direkter zu sein. Sie belegen Nischenthemen, die von etablierten Medien nicht abgedeckt werden. Eine weitere Vermutung für den Terraingewinn ist eine Aufpasserfunktion gegenüber den klassischen Medien, die z.B. im Irakkrieg nicht genügend Distanz zur Regierungspropaganda aufbauen konnten.

Andere Beobachter sehen die journalistische Funktion der Blogger kritischer. Sie bezweifeln, dass sie originäre Nachrichten erzeugen und sehen sie in einschränkender Abhängigkeit von den großen Mediennetzwerken und -konzernen, die ihre Korrespondenten und Reporter dahin schicken können, wo Nachrichten passieren und die genügend Ressourcen für das Sammeln und Auswerten von Daten und Fakten haben.

Hier gefunden: medianet.at, The Associated Press

 

Web 2.0 als Trüffelschwein für News

22. Mai 2008 von hg

Medienkonzerne wie die BBC und Reuters entdecken die Medien des Web 2.0 als Informationsquelle ihrer Nachrichtenberichterstattung. Immer mehr Menschen tauschen sich in Echtzeit in sozialen Netzwerken aus und schreiben in Foren oder Blogs über bestimmte Ereignisse. So lässt sich auf Twitter fast ohne Verzögerung an den Beiträgen ablesen, was und wo gerade Berichtenswertes geschieht und sich gegebenenfalls zu einer heißen Story ausbauen lässt. So war dort das Erdbeben in China längst Thema, noch bevor die klassischen Medien darüber berichten konnten.

Sowohl die BBC als auch Reuters arbeiten an Anwendungen, die eine Beobachtung von Twitter, seiner Suchmaschine Summize und diverser anderer Dienste wie Flickr, Youtube oder Facebook ermöglichen. Sie versprechen sich davon einerseits ein Nachrichtenfrühwarnsystem und andererseits Belege für Ereignisse in Form von Fotos, Filmen und Augenzeugenberichten.

Hier gefunden: pressetext.de , guardian.co.uk

Aufstand der Amateur-Journalisten

22. April 2008 von hn

In den USA erlebt derzeit der sogenannte Bürgerjournalismus eine Blütezeit. Üblicherweise wird die Wahlberichterstattung in den Vereinigten Staaten von Journalisten übernommen, die mit den Kandidaten in Privatjets und Bussen reisen, ähnlich wie man es aus dem Irakkrieg von den “Embedded Journalists” kennengelernt hat. Dass ein solches journalistisches Vorgehen nicht unbedingt objektive Berichterstattung hervorbringt, sondern eher für einen Tunnelblick sorgt, verwundert kaum.

Nun aber erheben sich viele unabhängige Bürger-Medienprojekte, um gegen diese Art der Berichterstattung vorzugehen, allen voran das Projekt “Off the Bus (OTB)” von Arianna Huffington und dem New Yorker Journalistik-Professor Jay Rosen. Ziel des Projektes ist es, “Wahlberichterstattung von Leuten [zu] liefern [...], die nicht Mitglied im Club sind.” Erster großer Erfolg des Projekts: Vergangene Woche hatte eine OTB-Reporterin als einzige Journalistin ein Aufnahmegerät laufen, als Präsidentschaftskandidat Barack Obama bei einem Fundraising Dinner über die “verbitterte weiße Mittelschicht redete, die sich an Gewehre und Kirchen klammert”. Dies mag viele Amerikaner bestätigen, die den Glauben an einen objektiven Journalismus verloren haben.

Hier gefunden: sueddeutsche.de

Journalisten zum “Web 2.0″

14. Februar 2008 von mah

Die dpa-Tochter news aktuell hat eine neue Studie veröffentlicht. Das Thema ist: “Zukunft der Medien: 2.0 und dann? Journalismus im Wandel”. 1.200 Journalisten wurden befragt, wie sie die aktuellen Entwicklungen in der Online-Kommunikation und die Zukunft der Medien einschätzen. Wie zu erwarten, sieht die Mehrheit der Befragten die Möglichkeiten, die unter “Web 2.0-Anwendungen” subsummiert werden, nicht als “Revolution” und auch nicht als Bedrohung des eigenen Berufsstandes. Immerhin 41 Prozent sehen in Weblogs, Podcasts und Co. eine Bereicherung des klassischen Journalismus. Für die eigene journalistische Arbeit spielen Blogs in der Themenfindung eine Rolle (”häufig” - 5%, “gelegentlich” - 20%, “eher selten” - 30%). Kritisiert werden allerdings die “mangelnde Glaubwürdigkeit” (27 %) und “fehlende journalistische Standards” (26%).

Kostenloser Download der Studie unter www.newsaktuell.de.

Hier gefunden: wuv.de

“Der Westen”

8. Oktober 2007 von ak

… coming soon. Der WAZ-Konzern startet in der vorletzten Oktoberwoche das Portal “Der Westen” und bündelt damit fünf regionale Titel: “Westdeutsche Allgemeine Zeitung”, “Neue Ruhr/Neue Rheinzeitung”, “Westfälische Rundschau”, “Westfalenpost” und “Iserlohner Zeitung”. Die einzelnen Internet-Auftritte dieser Zeitungen werden am 29. Oktober 2007 abgeschaltet.

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Hier gefunden: PCWelt Online