Einträge mit dem Tag ‘Glaubwürdigkeit’

Die Bahn machte mobil

29. Mai 2009 von hn

Die Skandale und Skandälchen bei der Deutschen Bahn scheinen sich zu einer unendlichen Geschichte zu entwickeln. Nach der Affäre um die Bespitzelung von Mitarbeitern steht schon wieder der nächste Ärger ins Haus: Die Bahn soll 2007 während des Tarifkonflikts mit der Lokführer-Gewerkschaft GDL und in der Diskussion um den Börsengang Millionensummen ausgegeben haben, um ihr Image aufzupolieren. So weit, so legitim. Allerdings wurde dieses Geld ohne Wissen der eigentlichen PR-Abteilung der Bahn investiert und ist in vorproduzierte Medien-, Blog- und Forenbeiträge sowie Leserbriefe und gefälschte Meinungsumfragen geflossen.

Aufgedeckt wurde das ganz vom lobbykritischen Verein LobbyControl, dessen Vorstand Ulrich Müller sich folgendermaßen zum Vorgehen der Bahn äußert: „Hier wurde offensichtlich versucht, die Öffentlichkeit und die politische Debatte dadurch zu beeinflussen, dass vermeintlich unabhängige Dritte im Sinne der Bahn in die öffentliche Debatte eingriffen.“

Nach Angaben von LobbyControl flossen insgesamt 1,3 Millionen Euro von der Bahn an die Agentur „European Public Policy Advisers GmbH“ (EPPA). Diese wiederum beauftragte nach Angaben der Bahn den Verein “berlinpolis” mit konkreten PR-Maßnahmen woraufhin berlinpolis im Oktober 2007 in der Hochphase der Bahnstreiks eine Umfrage veröffentlichte, “nach der 55 Prozent der Bundesbürger gegen den Streik der Lokführer waren. Als Basis wurde eine repräsentative Forsa-Umfrage genannt.” Ein zusätzliches pikantes Detail: Laut LobbyControl soll auch Verkehrsminister Tiefensee in Aktivitäten von berlinpolis eingebunden gewesen sein, unter anderem durch ein Vorwort zu einer berlinpolis-Publikation. Nach eigenen Angaben sieht sich berlinpolis übrigens als “eine unabhängige und eigenverantwortliche Denkfabrik.”

Der neue Bahnchef Rüdiger Grube wurde am 19. Mai von LobbyControl auf das Vorgehen aufmerksam gemacht und beauftragte einen Tag später die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG mit der Aufklärung des Vorfalls. Grube dazu: “Diese Form der PR-Maßnahmen lehne ich entschieden ab. Solche Aktivitäten sind mit dem Grundsatz eines transparenten und redlichen Dialogs mit der Öffentlichkeit in keiner Weise vereinbar. Ich werde umgehend im Unternehmen die notwendigen Konsequenzen daraus ziehen, um auch hier den zugesagten Neubeginn in der Unternehmenskultur zu dokumentieren.” Erste Konsequenz: Ralf Klein-Bölting, seit 2004 als Generalbevollmächtiger Konzernmarketing und Kommunikation bei der Deutschen Bahn tätig, muss wohl seinen Hut nehmen.

Übrigens: Die Bahn ist bei weitem nicht das einzige Unternehmen, das versucht, gezielt die öffentliche Meinung zu manipulieren. Fast alle deutschen Forenbeitreiber klagen immer wieder über Versuche von Unternehmen, Einfluss auf die öffentliche Meinung zu nehmen. Die Bahn befindet sich also in bester Gesellschaft…

Hier gefunden: morgenpost.de, horizont.net, meedia.de

Wie wahr sind Informationen aus dem Netz?

12. Dezember 2008 von hn

“Web 2.0 Anwendungen bringen bestehende Internet-Technologien an ihr Limit; daher mussten auch seriöse Programmentwickler [...] auf Hacks und Lücken im System zurückgreifen”, berichtet der ENISA-Experte Giles Hogben. “Es überrascht nicht, dass Kriminelle genau diese Anwendungen angreifen und sie als Vehikel nutzen, um bösartige Codes an die Nutzer zu verteilen.”

Dies ist aber nicht das einzige Problem, dass aus Web 2.0-Anwendungen erwächst. Ein weiteres großes Problem ist es, den Wahrheitsgehalt von Informationen einzuschätzen, wenn Autor oder Absender unbekannt sind. In einer aktuellen Erhebung untersucht die ENISA, welche Strategien Internet-Nutzer anwenden, um Informationen aus dem Web zu verifizieren. Das Ergebnis ist überraschend bis bedenklich: Die Mehrzahl der Nutzer schätzt eine Quelle bereits dann als vertrauenswürdig ein, wenn sie mehr als einmal im Netz zu finden ist.

Ob eine solche Strategie im Zeitalter von Blogs und Wikis, die häufig eine Tendenz zur Verbreitung von Gerüchten aufweisen, erfolgversprechend sein kann, ist mehr als fraglich. Andrea Pirotti, Geschäftsführer der ENISA, zu diesem Thema: “Wir benötigen bessere Instrumente, um das Vertrauen in die Informationen der Web 2.0-Welt zu stärken.”

Die Erhebung der ENISA wurde von internationalen Internet-Sicherheitsexperten erstellt und enthält unter anderem auch einen Maßnahmenkatalog zur Verbesserung von Standards und Architektur des Internets.

Hier gefunden: kefk.org, download-antivirus.de

Geringe Glaubwürdigkeit von Corporate-Blogs

11. Dezember 2008 von mah

Corporate-Blogs genießen als Informationsquelle kein besonderes Vertrauen. Sie rangieren im Vertrauensranking an letzter Stelle von unterschiedlichen Informationskanälen - deutlich hinter Produktbewertungen von Nutzern oder beispielsweise Print-Medien. Dies ermittelten Analysten von Forrester Research in einer Online-Befragung unter erwachsenen US-Bürgern. Der Forrester-Analyst Josh Bernoff sieht in diesem Ergebnis aber keinen Grund, Corporate-Blogs nicht weiter einzusetzen. Vielmehr ermuntert er Corporate-Blogger, stärker Inhalte von allgemeinem Interesse zu wählen und nicht nur über eigene Produkte zu schreiben. Damit stiegen die Chancen, als vertrauenswürdigere Quelle wahrgenommen zu werden.

Hier gefunden: Computerwoche

Aufstand der Amateur-Journalisten

22. April 2008 von hn

In den USA erlebt derzeit der sogenannte Bürgerjournalismus eine Blütezeit. Üblicherweise wird die Wahlberichterstattung in den Vereinigten Staaten von Journalisten übernommen, die mit den Kandidaten in Privatjets und Bussen reisen, ähnlich wie man es aus dem Irakkrieg von den “Embedded Journalists” kennengelernt hat. Dass ein solches journalistisches Vorgehen nicht unbedingt objektive Berichterstattung hervorbringt, sondern eher für einen Tunnelblick sorgt, verwundert kaum.

Nun aber erheben sich viele unabhängige Bürger-Medienprojekte, um gegen diese Art der Berichterstattung vorzugehen, allen voran das Projekt “Off the Bus (OTB)” von Arianna Huffington und dem New Yorker Journalistik-Professor Jay Rosen. Ziel des Projektes ist es, “Wahlberichterstattung von Leuten [zu] liefern [...], die nicht Mitglied im Club sind.” Erster großer Erfolg des Projekts: Vergangene Woche hatte eine OTB-Reporterin als einzige Journalistin ein Aufnahmegerät laufen, als Präsidentschaftskandidat Barack Obama bei einem Fundraising Dinner über die “verbitterte weiße Mittelschicht redete, die sich an Gewehre und Kirchen klammert”. Dies mag viele Amerikaner bestätigen, die den Glauben an einen objektiven Journalismus verloren haben.

Hier gefunden: sueddeutsche.de

Vertrauen ist besser als Prominenz

27. Februar 2008 von mah

Testimonials lohnen sich nicht - dies ist überspitzt formuliert Kernaussage einer nicht-repräsentativen Befragung der Unternehmensberatung Accenture. Empfehlungen aus dem Freundeskreis beeinflussen dagegen 44 Prozent der Konsumenten bei Kaufentscheidungen. In den USA und in Großbritannien hat Mund-zu-Mund-Propaganda sogar noch stärkeren Einfluss auf die Verbraucher. “Zufriedene Kunden sind bessere Fürsprecher als Prominente. Die beste Referenz für ein Produkt oder eine Dienstleistung ist, dass jemand, dem man vertraut, damit gute Erfahrungen gemacht hat”, sagt Gerhard Hausruckinger von Accenture. Er empfiehlt Unternehmen, Meinungsäußerungen aus Online-Communities als Frühwarnsystem zu nutzen, um Kritikpunkte zu identifizieren.

Hier gefunden: absatzwirtschaft online

Recherchen vor dem Google-Zeitalter?

10. Januar 2008 von mah

“Für eine schnelle Geschichte auf eine schnelle Recherche in Suchmaschinen zurückzugreifen, gehört zu den neuen Sünden des Journalismus”, meint der Journalist Hans Leyendecker. Die Recherche gehört zum wichtigsten Handwerkszeug von Journalisten, die Glaubwürdigkeit der Quellen ist dabei essentiell. Online-Quellen sind seiner Meinung nach häufig unglaubwürdig, weil Manipulationen der Inhalte üblich sind. Als aktuelle Beispiele führt er gefälschte Facebook-Profile, manipulierte Wikipedia-Einträge und andere bewusst falsch gestreute Informationen an. Etwas dramatisch schildert er die Informationslage im Netzt so: “Im Cyberspace ist immer Krieg. Gegnerische Blogs, virtuelle Guerilla-Kämpfer versuchen unablässig, zu infiltrieren. Freund und Feind sind manchmal kaum zu erkennen.” Zum Glück bleibt noch die Gegenrecheche!

Hier gefunden: jetzt.de

Blogbeiträge gegen Bezahlung

6. Dezember 2007 von mah

Blogging wird gerne als neue Form des Bürgerjournalismus, als unkorrupte Darstellung von Meinungen und Perspektiven betrachtet. A-Blogger Robert Basic hat eine selbstrekrutierende Umfrage unter Bloggern gemacht und Ihnen die Frage gestellt: “Was kostet ein versteckter Bezahlartikel bei Euch?” Differenziert wurde zwischen guten und schlechten Produkten, über die zu schreiben wäre. Ergebnis: nur ein kleiner Teil der befragten Blogger würden niemals gegen Bezahlung über ein Produkt schreiben. Bei einem schlechten Produkt wären die 22 Prozent, bei einem guten Produkt 10 Prozent. Was den Preis anbelangt: das differiert von Blogger zu Blogger, aber je schlechter das Produkt, desto höher die Gage.

Hier gefunden: Online-PC

Kunden vertrauen Kunden

15. Oktober 2007 von mah

Eine Studie unter US-Online-Shop-Kunden stellt fest, dass die meisten unter Ihnen auf andere Kundenbewertungen vertrauen (55%), gefolgt von Vergleichstabellen und Schaubilder (23%) sowie Expertenmeinungen (21%). Die Agentur Avenue A | Razorfish befragte 475 Nutzer von Online-Shops. Nicola Straub stellt in ihrem Beitrag diese Ergebnisse in Verbindung mit der noch geringen Zahl an Personen, die sich aktiv über Kommentare und Rezensionen in Web 2.0-Angeboten beteiligen. Die veröffentlichten Meinungen stehen auf keiner breiten Basis. Entstehen dadurch “Zerrbilder der Wirklichkeit”?

Hier gefunden: shopanbieter.de