Einträge mit dem Tag ‘Blogger’

Lustigste Internetabmahnung 2010

25. Januar 2010 von ks

2010 ist noch ganz jung und schon ist die Komsa AG heißester Anwärter auf Platz 1 der lustigsten Internetabmahnungen des Jahres.  Die Komsa AG hat ein hübsches, sehr einprägsames Logo: Neun grüne Pfeile zu einem Quadrat formiert weisen nach oben rechts. Nun entdeckte eine schockierte Komsa-Mitarbeiterin als sie im Web unterwegs war das Firmenlogo auf fremden Seiten. Flugs wurden also Abmahnungen wegen unerlaubter Nutzung des Logos verschickt. Der Vorwurf: “Es besteht neben der Gefahr der Verwässerung der Markenkennzeichnungskraft ein Verdacht auf Rufausbeutung.” Die Betroffenen wurden aufgefordert das Komsa-Logo von ihren Seiten zu entfernen und Auskunft über die Gründe für die Verwendung zu geben. Skurillerweise aber hatten die Betroffenen noch nie von der Komsa AG gehört geschweige denn das Logo verwendet. In seinem Blog berichtet Karsten Windfelder, der ebenfalls eine Abmahnung von Komsa erhielt, wie es nun überhaupt zu den Anschuldigungen kommen konnte.

Die Auflösung ist dabei so absurd, dass man sich unweigerlich an die Geschichten rund um die berühmten Schildbürger erinnert fühlt: Im Firmennetz der Komsa AG blendet ein Ad-Blocker Werbung auf fremden Web-Seiten aus und ersetzt diese automatisch durch das Firmenlogo. Daher sahen Mitarbeiter überall im Web das Pfeilchenlogo.

Hier für Sie gefunden: Spiegel Online

Der virtuelle Pranger

11. September 2009 von hn

Einige Unternehmen haben bereits schlechte Erfahrungen mit Abmahnungen an Blogger gemacht, der Lerneffekt auf Unternehmensseite scheint dabei aber eher gering zu sein. Das neueste PR-Desaster betrifft den Sportartikelhersteller Jako. Über dessen neues Logo äußerte sich Frank Baade in seinem Blog “Trainer Baade” auf ironische Art und Weise, was Jako wiederum gar nicht gefiel.

Die Anwälte des Unternehmens schickten Baade daraufhin eine Unterlassungserklärung und eine Kostennote über ca. 1.100 Euro. Baade trat mit dem Unternehmen in Kontakt, handelte eine Summe von 400 Euro aus, unterschrieb die Unterlassungserklärung und löschte den Beitrag. Hätte man die Sache an dieser Stelle auf sich beruhen lassen, wäre wohl kaum weitere Aufmerksamkeit erregt worden.

Allerdings ließ Jako die Sache nicht ruhen, ganz im Gegenteil. Die beanstandeten Zeilen tauchten nämlich beim eher unbekannten tschechischen Newsaggregator Newstin wieder auf, dieser hatte den Blogeintrag Baades ohne sein Wissen und Zutun aufgegriffen und wieder verfügbar gemacht. Die Anwälte Jakos reagierten schnell und forderten vom vermeintlichen Wiederholungstäter 5.100 Euro. Daraufhin wandte sich Baade an die Blogosphäre und Blog für Blog griff die Geschichte auf, mit dem Ergebnis, dass Jako binnen zwei Tagen zum Hassobjekt der Internet-Community wurde.

Der Druck auf Jako wuchs und es folgte der Gang nach Canossa: Das Unternehmen entschuldigte sich bei Baade mit den Worten man habe “überreagiert”, bleibt aber der Meinung, dass man sich “rechtlich nichts vorzuwerfen” habe. Auch ein Fehlverhalten sieht man bei Jako weiterhin nicht. Immerhin eine Einsicht bleibt: “Wir würden uns sicher nicht mehr so verhalten, sondern von vorneherein das Gespräch suchen, um eine gütliche Lösung zu finden.”,  so Unternehmenssprecher Röschl. Was weiterhin bestehen bleibt sind die großen Rechtsunsicherheiten für Blogger.

Hier gefunden: stimme.de, horizont.net

Blogger vs. Süddeutsche Zeitung Magazin

12. Mai 2009 von ks

Die Deutschen können nicht bloggen - so in etwa lautet die Quintessenz eines Artikels des Reuters Mitarbeiters und Bloggers Felix Salmon. Diesen Artikel hat das “Süddeutsche Zeitung Magazin” nun leicht modifiziert in einem Themenheft gedruckt und damit die Gunst der Stunde genutzt, um “wieder einmal ein Schüsschen auf die deutsche Blogszene abzufeuern”.

Unter der Federführung (vgl. seinen Artikel: Schöner sterben mit dem “SZ-Magazin”) des Medienbloggers Stefan Niggemeier springt die “gewohnt empfindliche Bloggerszene sofort auf die Provokation an”  und löst eine mittelgroße Debatte aus.

Anders als in den USA ist es wohl typisch für Deutschland, dass sich  Blogs und klassische Medien, wenn sie sich ausnahmsweise miteinander beschäftigen, gegenseitig bekriegen und anfeinden. In den USA ist man diesbezüglich viel weiter und probt längst innovative Formen der Zusammenarbeit. Erste Versuche der FAZ, des Handelblatts, der Zeit, des Freitag und sogar der Bild zeigen, dass man solche Kooperationen noch viel stärker ausbauen könnte. Eine solche Bereitschaft zur Vernetzung aber lassen gerade die Süddeutsche, Spiegel Online oder die FTD gänzlich vermissen. Das hat direkte Konsequenzen: Medien, die sich mit Blogs verlinken oder gar eigenen Beiträgen von Bloggern öffnen, erhalten von der Blogosphäre größere Aufmerksamkeit in Form von Links. Dies kann in Zeiten, in denen die Bedeutung und Reichweite von Blogs zunimmt, entscheidend für die künftige Relevanz in der Medienlandschaft sein.

Allerdings wäre wohl auch ein wenig mehr Kooperationsbereitschaft und “Respekt” gegenüber den klassischen Medien seitens der Blogger nicht schlecht, benötigen sie diese doch als zentralen Nachrichtenlieferanten und Multiplikator. Spannend wäre es in jedem Fall, wenn sich beide Seiten noch mehr vernetzen und gemeinsam Produktives schaffen würden.

Ach ja, eine Parodie der Salmon-Thesen hat Klaus Jarchow in seinem Blog Stilstand verfasst. Die vielleicht beste Antwort auf dieses Debättchen.

Hier gefunden: sharewise.com

Gericht in Seoul spricht “Minerva” frei

23. April 2009 von ks

Ein Gericht in Südkorea hat den 30-jährigen Wirtschaftsblogger Park Dae Sung vom Vorwurf freigesprochen, mit seinen Beiträgen zur Wirtschaftspolitik der Regierung großen finanziellen Schaden zugefügt zu haben. So hatte er unter anderem den Zusammenbruch von Lehman Brothers vorhergesagt.

Park war im vergangenen Jahr mit über 100 Artikeln in einem populären Internetforum unter dem Pseudonym «Minerva» zur Berühmtheit gelangt. So hatte er unter anderem ganz richtig eine deutliche Abwertung der südkoreanischen Landeswährung gegenüber dem Dollar prognostiziert. Nicht alle seiner Voraussagen trafen zu.

Der Vorsitzende Richter Yoo Young Hyeon sagte zu den Vorwürfen gegen Park, er könne nicht erkennen, dass der 30-jährige mit seinen Artikeln dem öffentlichen Interesse habe schaden können. Die Staatsanwaltschaft beschuldigte Park, er “habe falsche Informationen verbreitet, die Devisenmärkte beeinflusst und die Glaubwürdigkeit Südkoreas untergraben”. Dabei ging “es um die Behauptung, die Regierung habe großen Finanzinstitutitonen und Handelsfirmen verboten, US-Dollar zu kaufen”. Die Staatsanwaltschaft hatte 18 Monate Haft beantragt.

Die Zeitung The Korea Herald hatte unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft berichtet, dass die düsteren Prophezeiungen des Bloggers dessen Blog im vergangenen Herbst Tag für Tag von 200.000 Lesern besucht wurde, angeblich zu einer Verringerung der Devisenreserven des Landes in Milliardenhöhe geführt haben. Es gehe um einen Schaden von ca. zwei Milliarden Dollar. Zeitungen hatten die Börsen- und Wechselkurse Minervas zitiert und lange gerätselt, wer sich hinter dem Pseudonym verbirgt. Minerva ist der Name einer antiken Schutzgöttin und Hüterin des Wissens.

Abschließend bleibt nur zu sagen, dass es wohl großer Weisheit entspräche, der koreanischen Regierung auf solch subtile Weise Schaden zuzufügen. So wurde  “Minerva” nicht nur zum Überbringer der Weisheit, sondern hat im wahrsten Sinne des Wortes - um ein weiteres Wortspiel zu bemühen -, den Finger in die Wunde gelegt und den “Nerv” getroffen.

Der Freispruch Park Dae Sungs jedenfalls ist ein Sieg der Gerechtigkeit und ein Schritt in die richtige Richtung in einem Land, das zu einer der politisch brisantesten Regionen der Welt zählt und in dem die Meinungsfreiheit mit Hilfe des Nationalen Sicherheitsgesetzes unterdrückt wird.

Hier gefunden: news.de

Vom Premierminister zum Blogger

9. März 2009 von hn

Für 22 Jahre war er Malaysias Premierminister: Mahathir Mohamad. Stets galt er als autoritärer Machtpolitiker und nicht als Demokrat oder Freund der Meinungsfreiheit, dennoch gilt er als verantwortlich für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Modernisierung Malaysias. Mittlerweile ist er 83 Jahre alt und seit 2003 nicht mehr im Amt. Jetzt feiert er ein Comeback als einflussreicher Blogger.

Als 2003 Mohamads Nachfolger Abdullah Badawi sein Amt antrat, wurde er von seinem Vorgänger in der Presse solange beschimpft und als Fehlbesetzung gerügt, bis er zu den selben Methoden griff wie einst Mohamad. Kurzerhand verbot Badawi allen großen Medien des Landes, über Mohamad zu berichten. Dieser fand sich plötzlich in derselben Position wieder wie die von ihm lange unterdrückte Opposition und es begann still um ihn zu werden. Doch die Opposition wusste sich mittlerweile zu helfen und es gelang ihr, das Meinungsmonopol der regierungstreuen Medien mithilfe zweier großer Internetportale inklusive Blogs und Foren zu brechen.

Diesen Weg wählt nun auch Mahatir Mohamad, er betreibt das Blog “chedet.com“, das so einflussreich ist, dass es nahezu alle Meldungen in die Presse schaffen. Größtenteils beschränkt Mohamad sich auf Kritik an der aktuellen Regierung, seltener gibt er auch seine Meinung zu außenpolitischen Themen ab. Der Einfluss der politischen Internetportale in Malaysia wird von Analysten als sehr groß bewertet, so  hat nun auch die Stimme von Mohamad wieder viel Gewicht und verschwindet nicht wie so viele andere  im Orkus des Web. Auf jeden Fall schön zu sehen, wie manche Menschen Möglichkeiten zur freien Meinungsäußerung wahrzunehmen versuchen,  die sie lange Zeit am liebsten verboten hätten…

Hier gefunden: derbund.ch, bazonline.ch, tagesanzeiger.ch

Das große Zeitungssterben

2. März 2009 von hn

In den USA wütet die größte Printmedienkrise, die das Land je erlebt habt. Seit März 2007 sind bislang elf Blätter komplett vom Markt verschwunden, selbst für die großen US-Verlage sieht es momentan ähnlich düster aus. Vier von ihnen sind insolvent und mussten bereits Gläubigerschutz anmelden. Der spektakulärste Fall darunter dürfte die “Tribune Company” sein, Herausgeber der “Chicago Tribune” und der “Los Angeles Times”. Selbst die “New York Times” steckt in Schwierigkeiten und musste sich vom mexikanischen Medien-Tycoon Carlos Slim Helu mit 250 Millionen Dollar unter die Arme greifen lassen.

Als Ursache wird vielfach die Wirtschaftskrise  und der mit ihr verbundene Einbruch der Werbeerlöse genannt. Dies betrifft vor allem den privaten Kleinanzeigenmarkt, der zu großen Teilen ins Internet abgewandert ist. Eine weitere Ursache ist die immer weiter sinkende Bereitschaft, für Informationen zu bezahlen, ein Großteil nutzt mittlerweile ausschließlich das Web zur Informationsbeschaffung.

Die Lösungsvorschläge sind vielfältig und reichen von Staatsbeteiligungen bis hin zu engerer Zusammenarbeit zwischen Journalisten und Bloggern. “Zeitungsjournalisten werden nicht überleben, wenn sie in der aufstrebenden Bloggerkultur argwöhnisch einen Feind wähnen, der ihnen ans Leder will, sondern nur, wenn sie Blogger, Online-Kolumnisten und andere Internet-Solitäre mit offenen Armen empfangen, um gemeinsam mit ihnen gegen Korruption und Unrecht zu recherchieren”, so die Medienwissenschaftler Stephan Weichert und Leif Kramp in ihrem aktuellen Fachbeitrag in der Zeitschrift “Medienheft”.

Auch Deutschland ist von der Krise betroffen, bei “Spiegel” und “Focus” werden die Anzeigenrückgänge auf bis zu 50 Prozent beziffert. Dazu Spiegel-Geschäftsführer Ove Saffe: “Es wird viel schlimmer werden, als wir es uns bisher vorstellen können.”

Hier gefunden: bernerzeitung.ch

Bürgerkrieg auf digitalen Landkarten

20. November 2008 von hn

Das afrikanische Internetprojekt Ushahidi versucht, den Bürgerkrieg im Kongo nun zu visualisieren. Ushahidi sammelt Berichte, Videos und Fotos von Augenzeugen zu Themen wie Verbrechen, Unruhen, Flüchtlings- und Truppenbewegungen oder Vergewaltigungen und verzeichnet diese auf einer digitalen Landkarte.

Über eine Mobilfunknummer gelangen die Nachrichten via SMS oder E-Mail an Ushahidi und werden dort mittels farbiger Punkte in Google Maps integriert, wobei Lila beispielsweise für Unruhen, Blau für Tote oder Gelb für die Stellungen der UN-Friedenstruppen steht. Die Berichte sind vielfältig, in ihnen geht es um Vertreibungen, Plünderungen, Erschießungen, den Kampf um Lebensmittel oder die Arbeit der Hilfsorganisationen. Die Betreiber von Ushahidi geben zu, diese Berichte nicht bestätigen zu können, allerdings arbeiten sie eng mit Hilfsorganisationen zusammen, die das Team bei der Verifizierung unterstützen.

Seinen Ursprung hat Ushahidi in Kenia, wo es nach den Wahlen und den darauf folgenden blutigen Unruhen Ende vergangenen Jahres von kenianischen Bloggern ins Leben gerufen wurde, um Berichte über die Unruhen und Gewalttaten zu dokumentieren.

Hier gefunden: Netzeitung

Stand der Dinge: Weblogs international

24. September 2008 von mah

Technorati hat einen aktuellen Lagebericht zur Blogosphäre veröffentlicht. Die Studie „State of the Blogosphere“ beleuchtet nicht nur quantitativ Anzahl der Blogs und der Beiträge, sondern erhebt - zumindest für die USA - auch demographische Daten über die Lebenssituation der Blogger.

Das Suchmaschinen-Unternehmen stellt unter anderem Folgendes fest:

  1. Es existieren weltweit 133 Millionen Blogs in 81 Sprachen, die von Technorati beobachtet werden.
  2. Die Zahl der veröffentlichten Beiträge geht zurück (heute 900 000 Beiträge pro Tag, 2007: 1,5 Millionen).
  3. 59 Prozent der Autoren bloggen bereits seit mehr als zwei Jahren.
  4. 56 Prozent der US-Blog-Autoren arbeiten Vollzeit und haben zu 75% einen College-Abschluss. Die Hälfte von ihnen verfügt über ein Haushaltseinkommen von mehr als 75 000 $ jährlich.

Weitere Ergebnisse werden in den kommenden Tagen sukzessive veröffentlicht.

Hier gefunden: Meedia, ReadWriteWeb

Blogger verlinken gerne auf SPON

24. September 2008 von mah

Spiegel Online (SPON) ist das Online-Medium, auf das deutsche Blogger am häufigsten verlinken (3 714 Mal). Es folgen mit größerem Abstand Die Welt (1 974 Mal), die Süddeutsche Zeitung (1 764 Mal) und Heise Online (1579 Mal). Dieses Ergebnis stammt aus einer Studie des Blogsuchmaschinenbetreibers twingly, der zwischen Juni und August 2008 in 127 000 spamfreien deutschsprachigen Blogs die Verweise auf deutsche Online-Medien zählte.

Hier gefunden: kefk.org

Ein Blogger ist ein Blogger ist ein … Journalist?

2. September 2008 von hg

Der wachsenden Bedeutung des Bürgerjournalismus in den USA hat die Demokratische Partei bei ihrem Nominierungsparteitag in Denver Tribut gezollt. Mit 120 offiziell akkreditierten Bloggern hat sich deren Zahl im Vergleich zu 2004 verdreifacht, auch wenn sie sich zu den 15.000 Journalisten klassischer Medien verschwindend gering ausnimmt. Außer acht gelassen werden darf diese Zielgruppe aber nicht, da der US-Wahlkampf auch im Internet mit zunehmendem Aufwand geführt wird.

Die akkreditierten Blogger sehen ihren Vorteil darin, frecher und direkter zu sein. Sie belegen Nischenthemen, die von etablierten Medien nicht abgedeckt werden. Eine weitere Vermutung für den Terraingewinn ist eine Aufpasserfunktion gegenüber den klassischen Medien, die z.B. im Irakkrieg nicht genügend Distanz zur Regierungspropaganda aufbauen konnten.

Andere Beobachter sehen die journalistische Funktion der Blogger kritischer. Sie bezweifeln, dass sie originäre Nachrichten erzeugen und sehen sie in einschränkender Abhängigkeit von den großen Mediennetzwerken und -konzernen, die ihre Korrespondenten und Reporter dahin schicken können, wo Nachrichten passieren und die genügend Ressourcen für das Sammeln und Auswerten von Daten und Fakten haben.

Hier gefunden: medianet.at, The Associated Press