Archiv für die ‘Verlage’ Kategorie

Big Brother is deleting you

21. Juli 2009 von hn

Welche Ironie: Ausgerechnet das Buch “1984″ über einen totalitären Überwachungsstaat von George Orwell wurde von Amazon in einer Nacht-und-Nebel-Aktion von den eBook-Readern “Kindle” entfernt. Ebenfalls von der Löschung betroffen ist auch ein weiteres Werk von Orwell - “Animal Farm.” Beide Bücher wurden von einer Firma namens “MobileReference” in den Kindle-Store gestellt, allerdings ohne dass diese die Rechte dafür bessessen hätte. Daraufhin wurde Amazon vom tatsächlichen Rechteinhaber aufgefordert, die Bücher aus dem Store zu entfernen.

Dies tat Amazon dann auch unverzüglich, indem es erstmals die Kindle-eigene Synchronisierungsfunktion nutzte, um die digitalen Bücher von den Geräten seiner Kunden zu entfernen. Schon vor der Markteinführung des eBook-Readers gab es Kritik an dieser Technik. Den Kunden wurde zwar der Kaufpreis erstattet, dennoch waren die Reaktionen natürlich alles andere als erfreut, die Foren und Blogs quollen über vor Negativstimmen. Zudem ist fraglich, ob Amazon überhaupt das Recht zu diesem Eingriff besitzt, denn laut Kindle-Nutzungsbedingungen erhält der Käufer ein uneingeschränktes Recht am erworbenen Medium.

Übrigens ist das Amazon-Gerät Kindle kein Einzelfall, es existiert eine Vielzahl permanent mit dem Hersteller verbundener Geräte. Die Liste ist lang, sie reicht über den digitalen Videorekorder “Tivo” über “XBox 360″ und “Playstation 3″ bis hin zum “iPhone”. Auch dieses besitzt einen sogenannten “Kill Switch”, mit dem installierte Anwendungen entfernt werden können. Big Brother is watching you…

Hier gefunden: netzwelt.de, spiegel.de

Das große Zeitungssterben

2. März 2009 von hn

In den USA wütet die größte Printmedienkrise, die das Land je erlebt habt. Seit März 2007 sind bislang elf Blätter komplett vom Markt verschwunden, selbst für die großen US-Verlage sieht es momentan ähnlich düster aus. Vier von ihnen sind insolvent und mussten bereits Gläubigerschutz anmelden. Der spektakulärste Fall darunter dürfte die “Tribune Company” sein, Herausgeber der “Chicago Tribune” und der “Los Angeles Times”. Selbst die “New York Times” steckt in Schwierigkeiten und musste sich vom mexikanischen Medien-Tycoon Carlos Slim Helu mit 250 Millionen Dollar unter die Arme greifen lassen.

Als Ursache wird vielfach die Wirtschaftskrise  und der mit ihr verbundene Einbruch der Werbeerlöse genannt. Dies betrifft vor allem den privaten Kleinanzeigenmarkt, der zu großen Teilen ins Internet abgewandert ist. Eine weitere Ursache ist die immer weiter sinkende Bereitschaft, für Informationen zu bezahlen, ein Großteil nutzt mittlerweile ausschließlich das Web zur Informationsbeschaffung.

Die Lösungsvorschläge sind vielfältig und reichen von Staatsbeteiligungen bis hin zu engerer Zusammenarbeit zwischen Journalisten und Bloggern. “Zeitungsjournalisten werden nicht überleben, wenn sie in der aufstrebenden Bloggerkultur argwöhnisch einen Feind wähnen, der ihnen ans Leder will, sondern nur, wenn sie Blogger, Online-Kolumnisten und andere Internet-Solitäre mit offenen Armen empfangen, um gemeinsam mit ihnen gegen Korruption und Unrecht zu recherchieren”, so die Medienwissenschaftler Stephan Weichert und Leif Kramp in ihrem aktuellen Fachbeitrag in der Zeitschrift “Medienheft”.

Auch Deutschland ist von der Krise betroffen, bei “Spiegel” und “Focus” werden die Anzeigenrückgänge auf bis zu 50 Prozent beziffert. Dazu Spiegel-Geschäftsführer Ove Saffe: “Es wird viel schlimmer werden, als wir es uns bisher vorstellen können.”

Hier gefunden: bernerzeitung.ch

Titanic 2.0

19. Dezember 2008 von ak

Wenn Kollegen mitschnipseln, dann landet gern einmal ein Link im Postkasten unserer Redaktion, der zum Weiterleiten einlädt. Die Vorstellung des neuen Titanic-Chefredakteurs, Leo Fischer, wird zum geistreichen Ausblick auf 2009 gesamt,  aber auch - und das ist wirklich lesenswert - zum Ausblick auf das Titanic-Konzept “Satire 2.0″.

Das Satire-Magazin will mit dem Konzept nicht nur “weg vom Internet, weg von den jungen Leuten und weg von den gesellschaftlichen Problemen” - es erwartet von seinen Lesern, “wenn sie überleben wollen”, dass sie sich vom “tumben Konsumenten zum tumben Mitproduzenten aufwerten”, was auch ganz einfach ist:

“Unsere Artikel können nun mit Nutzerkommentaren versehen und zwischen Lesern ausgetauscht werden - alles, was sie dazu brauchen, sind ein Kuli und eine Schere.”

Hier gefunden: Spiegel Online und bitte weiterleiten…

Ein Schelmenstück - getwittert

10. Dezember 2008 von hg

Anfang Dezember berichtet die Netzeitung über einen Tweet namens Suhrkamp, der zeige, was man im Web 2.0-Kosmos so alles falsch machen könne, ganz ohne Häme, versteht sich von selbst. Schließlich versuche sich hier ein altehrwürdiger Verlag an einem neuen Medium und das sei doch erstmal aller Ehre wert, auch wenn es noch so unbeholfen aussähe.

Das eigentliche Problem aber ist, dass alle Leser dieses Tweets nur dachten, dass der Suhrkamp Verlag Urheber dieser Informationen sei. Bloß war es eben nicht so. Mit ordentlich Schalk im Nacken und, nach eigenen Angaben, ohne böse Absicht postete Florian Siepert in der Rolle einer Mitarbeiterin der Presseabteilung des Verlags lustige bis bizarre Meldungen. Das Experiment zeigt, wie erschreckend unreflektiert Nachrichten im Web 2.0 wahrgenommen werden. Und so zeigt sich, wie groß die Gefahr für das Image eines Unternehmens oder auch für Individuen sein kann, durch missbräuchliche Verwendung ihrer Identität durch Dritte Schaden zu nehmen.

Mittlerweile ist der Suhrkamp-Tweet unter der Kontrolle des Verlags und bereits offline. Tanja Postpischil, leitende Öffentlichkeitsarbeiterin des Verlags, hält Twitter als PR-Kanal für denkbar, nur sähen die Tweets ganz sicher anders aus. Hoffentlich erzielt dann ein offizieller Suhrkamp-Tweet die gleiche Glaubwürdigkeit.

Hier gefunden: ftd.de

“Anreize” oder Bestechungsversuch?

24. Juli 2008 von hn

Der Verlag Gruner + Jahr hat für erhebliche Aufregung in der Blogosphäre gesorgt. Um seiner bislang eher erfolglosen Geo-Reisecommunity auf die Sprünge zu helfen hat G + J die Agentur Dot-Films eingeschaltet. Diese hat verschiedene Blogger angeschrieben und ihnen “Anreize” von bis zu 150 Euro für Äußerungen über die Community geboten.

Der Handelsblatt-Blogger Thomas Knüwer äußert sich zu diesem Vorgehen folgendermaßen: “Vielleicht lesen Sie in den kommenden Tagen und Wochen in deutschen Weblogs recht positive Besprechungen der Reisecommunity des Gruner + Jahr-Magazins “Geo”. Das allerdings wäre traurig. Denn dann wäre die Bestechung des “Geo”-Dienstleisters Dot-Films erfolgreich gewesen. “

Als Reaktion auf die erhebliche Aufregung innerhalb der Blogosphäre macht sich Dot-Films nun für einen Disclaimer stark, damit Blogger klar kommunizieren können, auf wessen Anregung ein prämiertes Posting entstanden ist. Neu ist das ganze Vorgehen von Gruner + Jahr allerdings nicht wirklich, vor kurzem hatte schon Tchibo Päckchen ohne Absender mit einem Handy, Zahnbürste und Rasierer an Blogger versendet, um virales Marketing für seine Online-Plattform Tchibo Ideas zu betreiben. Je nach persönlicher Sichtweise könnte man auch dieses Vorgehen als Bestechungsversuch wahrnehmen…

Hier gefunden: Werben&Verkaufen, blog.handelsblatt.de, medienhandbuch.de

Das gedruckte Wort - ein analoges Relikt?

29. Mai 2008 von hn

Vor nicht allzu langer Zeit waren noch viele der Meinung, dass klassische Printmedien wie Zeitungen oder Bücher durch die Konkurrenz des Internets vom Aussterben bedroht seien. Mittlerweile hat sich gezeigt, dass gedruckte Medien weit weniger gefährdet sind als vermutet. Eher scheint das Gegenteil einzutreten, vielen, vor allem kleineren Verlagen, erwachsen durch das Internet neue Vertriebschancen.

Auch ein Begriff für die neue Verlagswelt im Netz scheint schon zu existieren: E. Heinold schlägt dafür den Begriff “Verlag 3.0″ vor. Nach seiner Kategorisierung bezeichnet der Verlag 1.0 den klassischen Printverlag, während der Begriff Verlag 2.0 einen Verlag kennzeichnet, der crossmediale Informationen verbreitet und nicht ausschließlich auf Printmedien setzt. Ein Verlag 3.0 dagegen tritt nicht mehr ausschließlich als Content-Provider, also Vermittler von Inhalten auf, sondern “steht im Zentrum einer Community und organisiert diese.” Damit einher geht eine Veränderung des verlegerischen Selbstverständnisse, fortan stehen nicht mehr die Inhalte, sondern die Kunden im Mittelpunkt. Ein Verlag 3.0 betreibt nicht einfach nur ein Autorenblog oder eine Community, vielmehr geht er durch starke Vernetzung ein nahezu “symbiotisches Verhältnis” mit seinen Kunden ein.

Gerade kleine Verlage, denen der klassische Vertriebsweg über den Handel oftmals Schwierigkeiten bereitet, würden davon profitieren, sei es durch Direktverkauf oder Direktwerbung für Produkte, die weiterhin im Buchhandel erworben werden können. Über das Internet lassen sich kleine Zielgruppen mit speziellen Interessen leichter erreichen als je zuvor. Auch traditionelle Verlage nutzen mittlerweile die Möglichkeiten des Web 2.0 im Marketing- und Vertriebsbereich. Beispiele hierfür sind etwa das Mangaforum des Carlsen-Verlags oder die Business-Communitys von Haufe. Es scheint also, dass das gedruckte Wort durch den Wandel der Medienlandschaft nicht an Bedeutung verliert, eher kristallisieren sich neue Chancen heraus, die helfen, den Stellenwert des klassischen Printmediums und der Verlage zu erhalten oder gar zu steigern.

Hier gefunden: Börsenblatt Online

“Die Welt” twittert

16. April 2008 von ak

Genauer gesagt, die “Welt Kompakt” twittert. Twitter ist ein Micro-Blogging-Tool, mit dem man Gott und der Welt in 140 Zeichen mitteilen kann, was man gerade so macht.

Der Horizont-Blog “Off the record” stellt den Nutzen des Dienstes dar. Der Blog “popkulturjunkie.de” stellt sogleich deutschsprachige Twitter-Charts zusammen. Die “Viralmythen” betrachten Twitter als Frühwarnsystem für Unternehmen. Und Thomas Pleil schreibt in seinem “Textdepot” darüber, was Twitter mit PR zu tun hat.

Die Redaktion von “Welt Kompakt” tritt mit ihren Lesern in Kontakt. Es geht um die Interaktion mit dem Leser während des Zeitungmachens. Die klassische Arbeit eines Journalisten als Gatekeeper wird umgekrempelt. Erfüllt ein so genannter Tweet - also Beitrag im Mikroblog, die Kriterien für eine “wirkliche” Nachricht, werden in Zukunft neben den bisher zur Verfügung stehenden Informationenquellen sicher auch Twitter-Meldungen berücksichtigt.

Hier gefunden: Welt Online

Brockhaus @ Internet

14. April 2008 von ak

Mitte April sollte der volle Umfang der 30-bändigen Brockhaus-Enzyklopädie kostenlos online stehen. Der Start verzögert sich. Nichtsdestotrotz ist das wohl die Kehrtwende: Der Brockhaus erscheint nur noch online, weitere Druckausgaben seien nicht mehr geplant, werden aber nicht ausgeschlossen. Dabei wird die so genannte “Bibel des deutschen Bürgertums” auf Wikipedia treffen und prallt dabei auf eine Konkurrenz, die unterschiedlicher nicht sein könnte. Denn Wikipedia steht für kollektiv generiertes Wissen. Brockhaus setzt weiterhin ausnahmslos auf wissenschaftliche Autoren. Die Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG betonte mehrfach, dass das bereitgestellte Wissen verlässlich und nicht manipulierbar sei - und will damit zum “Wissensnavigator im Netz” werden.

Hier gefunden: Berliner Morgenpost, heise Online

Springer beschwert sich über Bildblog

19. Februar 2008 von mah

Der Axel-Springer-Verlag setzt sich dafür ein, dass das Bildblog grundsätzlich keine Beschwerden über die Bild-Zeitung mehr beim Presserat einreichen darf. Sie unterstellen den erfolgreichen Blog-Autoren Niggemeier und Schultheis, dass sie lediglich kommerzielle Ziele mit ihren Beschwerden verfolgten - nämlich Zugriffe auf Ihre werbefinanzierte Website zu generieren. Der Presserat soll hierzu am 12. März eine Grundsatzentscheidung treffen.

Hier gefunden: dwdl.de, Spiegel Online, taz.de

Nachrichten für Junge

19. Februar 2008 von mah

Der Holtzbrinck-Verlag startet mit dem Nachrichtenangebot zoomer.de ein Nachrichtenangebot für 14-35 Jährige - ein “Nachrichtenportal für die Generation SchülerVZ und StudiVZ”, so Spiegel Online. Herausgeber und auch Teil der etwa 40köpfigen Redaktion ist der ehemalige Moderator der Tagesthemen Ulrich Wickert.

Das Konzept ermöglicht den Nutzern Partizipation und Personalisierung. Sie können Artikel bewerten und kommentieren sowie persönliche Nachrichtenangebote zusammenstellen. Spiegel Online betrachtet das Nachrichtenportal noch mit Skepsis - Kritikpunkte sind Qualität, Aufmachung und Aktualisierungstakt. Aber: “Vielleicht muss die Redaktion erst Tritt fassen. Vielleicht muss sie selbst erst einmal herausfinden, was ihre Zielgruppe wirklich will und mitzumachen bereit ist”.

Hier gefunden: Netzeitung, Spiegel Online