Jeff Jarvis, ehemaliger Journalist und Medienmanager, hat sich mit seinem Blog “BuzzMachine“, das er nach den Ereignissen am 11. September 2001 in New York gestartet hat, den Ruf eines Internet-Vorreiters erworben.
Mittlerweile hat er eine Journalistik-Professur inne und hält rund um den Globus Vorträge. In Deutschland zitiert man ihn vor allem im Zusammenhang mit seinen düsteren Prognosen zu der Zukunft der Printmedien. Nun hat Jarvis sein erstes Buch geschrieben. “Was würde Google tun” ist dieser Tage auch in deutscher Übersetzung erschienen.
Google ist das bis dato vermutlich erfolgreichste Internet-Unternehmen. Mit seinen Suchmaschinen und den Erlösen aus den zu den jeweiligen Suchergebnissen geschalteten Anzeigen ist das Prinzip “Google” so einfach wie genial. Jarvis analysiert nun in seinem Buch alle möglichen Branchen und Lebenslagen und stellt die Frage “Was würde Google tun?”. Seine Antwort ist ein Plädoyer für einen neuen gesellschaftlichen Ansatz:
“Unternehmen und andere Institutionen sollten sich ändern und transparenter werden, ihren Kunden und Mitarbeitern besser zuhören und sie an Innovationsprozessen beteiligen. Das Internet mit seinen Netzwerken und Plattformen ist ein Instrument dazu, argumentiert er. Wenn man es richtig einsetzt, muss man aber auch bereit sein, zumindest teilweise die Kontrolle abzugeben”.
Ähnliches kennt man bereits aus dem Aufruf, den die Autoren des “Cluetrain Manifestos“, das im Jahr 2000 in 95 Thesen veröffentlicht wurde. Jarvis bezieht sich auch mehrfach auf das Manifest. In seinem Buch macht der Blogger Vorschläge, wie sich die unterschiedlichen Branchen - von Banken über Medien bis zur Autoindustrie, wandeln (”googlefizieren”) und auf die vom Internet bestimmte Zukunft einstellen können. Jarvis hätte angesichts der Finanzkrise keinen strategisch günstigeren Zeitpunkt für sein Buch wählen können.
Etwas angestrengt wirkt der stete Vergleich mit Google aber doch. Das Unternehmen ist zwar höchst erfolgreich und innovativ aber nun gerade nicht sehr transparent, was Jarvis auch einräumt. Andere, möglicherweise passendere Beispiele aus dem Web 2.0 wie Wikipedia oder das Anzeigen-Netzwerk craigslist werden nur knapp behandelt. Auch Barack Obama, der in seinem Internet-Wahlkampf, viele der von Jarvis beschriebenen Strategien umsetzte, wird nur kurz behandelt. Der Grund dafür ist evident: Wie viele der US-Blogger hatte auch Jarvis im Wahlkampf Partei ergriffen - für Hillary Clinton.
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