Archiv für die ‘Ethik’ Kategorie

Das Social Web und der Duisburger OB

15. August 2010 von che

Er ist nicht gerade der beliebteste Politiker Deutschlands, Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland hat sich nach der tragischen Loveparade eine Menge Feinde gemacht. Ob YouTube-Video, Wikipedia-Einträge oder Facebook-Page - Im Social Web ging’s heiß her. Doch was ist übrig von der teilweise sehr emotional geführten Debatte? Wir von AUSSCHNITT haben mal einen Blick auf die geführte Diskussion geworfen und das Ganze als quantitative Kurve der Meinungsäußerungen im Social Web dargestellt.

Schon am Tag der Loveparade (24.7.) wurden einige Stimmen zum Rücktritt des OB geäußert. Dabei kursieren auch Gerüchte, dass der Rücktritt kurz bevor stehe. Am Tag nach der Katastrophe steigt auch die Wut im Social Web und die Forderungen nach einem Rücktritt werden immer lauter. Den Höhepunkt erreichen die Forderungen am 30. Juli, dem Tag vor der Trauerfeier (+656% des Buzz vom ersten heftigen Ausschlag am 25.7.).

Rücktrittsforderungen im Social Web
Rücktrittsforderungen im Social Web

Einen weiteren Ausschlag erfährt die dargestellte Kurve der Rücktrittsforderungen am Tag der Sauerland-Stellungnahme, in der der OB bekannt gibt, sich abwählen lassen zu wollen. Viele vermuten v.a. finanzielle Motive des OB und Wut und Ärger dominieren die Tweets und Blogbeiträge.

Doch die Darstellung zeigt eine Erscheinung, die wir schon häufiger im Social Web beobachten konnten. So schnell die Debatte entstanden ist, so schnell beruhigt sie sich auch wieder. Bis zu den jüngsten neuen Erkenntnissen in Bezug auf die Loveparade ab es nahezu keine weiteren Rücktrittsforderungen aus der Netzgemeinde.

Bleibt abzuwarten, wie sich das Ganze weiterentwickelt - wir beobachten weiter!

Analysiert wurden im Übrigen Beiträge aus dem Social Web und in ausgewählten Mainstream News, die sich mit dem Rücktritt des Duisburger Oberbürgermeisters Adolf Sauerland beschäftigen. Zeitraum der Analyse ist der 24.7. – 12.8.2010

Antisemitismus im Netz

8. Juni 2010 von ks

Antisemitismus und Rechtsextremismus, auch in sozialen Netzwerken, ist leider nicht neu - doch seit der Nachricht über die israelische Militäraktion gegen die “Solidaritätsflotte” “dunkelt”  es, um mit dem großen Paul Celan zu sprechen, im Netz: In sozialen Netzwerken wie Facebook nehmen anitsemitische Kommentare und rassistische Witze rasant zu. Das Brisante daran, sie werden nicht einmal anonym ins Netz gestellt. Die Nutzer sozialer Netzwerke machen ihrem Ärger über die israelische Militäraktion unverhohlen und leider völlig unreflektiert Luft. Dabei werden häufig sogar Realnamen und Foto benutzt.

Das gesamte ungeheurliche Bild der öffentlichen Judenhetze bietet sich, wenn man in der Facebook-Suchmaschine youropenbook.org als Suchbegriff “Juden” eingibt. Was sich dem Leser hier bietet, lässt den Atem gefrieren.

Facebook kann oder will diese Inhalte nicht löschen. Solange die Nutzungsbedingungen eingehalten werden, bleiben die Inhalte für jeden sichtbar. Facebook sei eine Plattform für Diskussionen, so die Antwort eines Sprechers des Netzwerkes, weshalb es natürlich vorkommen könne, dass Nutzer kontroverse Themen diskutieren. Zwar wisse das amerikanische Unternehmen, dass rechtsextremer  “Nazi Content” in manchen Ländern verboten sei, jedoch heiße dies nicht, dass er komplett aus den Netzwerken verschwinden könne.

Die Frage sei dennoch erlaubt, was mit konkreter Volksverhetzung und Aufruf zum Mord, hier vor allem in morbidesten Analogien zu Holocaust-Szenarien, ist?

Nutzer können entsprechende Seiten und Gruppen melden. Erst im Mai gründete sich auf Facebook eine Widerstandsbewegung gegen die Seite der NPD mit inzwischen mehr als 300.000 Mitgliedern.

Allerdings nutzte in diesem Fall das Melden nicht viel, denn Facebook verwies darauf, dass die NPD in Deutschland eine rechtmäßige Organisation sei.

Hier gefunden: Spiegel Online

Sperren oder löschen?

25. Mai 2009 von hn

Der Streit um eine Sperrung von Webseiten mit kinderpornographischem Inhalt schwelt unvermindert weiter, die Fronten zwischen Befürwortern und Gegnern scheinen sich zu verhärten. Vergangene Woche ergab eine Umfrage im Auftrag der Deutschen Kinderhilfe, dass sich 92% der Bundesbürger für eine Sperrung aussprechen. Jetzt hat der Verein Mogis (MissbrauchsOpfer Gegen InternetSperren) eine eigene Umfrage in Auftrag gegeben. Mogis geht es nicht um die Frage, ob Kinderpornographie bekämpft werden soll, sondern wie dies wirksam geschehen kann. Um dies zu erreichen sei laut Mogis eine Löschung und nicht nur eine Sperrung, die von versierten Nutzern leicht umgangen werden kann, notwendig.

Die Mogis-Umfrage kommt ebenfalls auf einen Wert von 92%, allerdings sprechen sich hier die Befragten für eine Löschung und strafrechtliche Verfolgung aus, nicht für eine Sperrung. Der Hintergrund: Die beiden Umfragen enthielten andere Antwortmöglichkeiten, bei der Umfrage der Deutschen Kinderhilfe tauchte die Möglichkeit einer Löschung gar nicht erst auf, sie enthielt nur die Alternativen “sperren” und “nicht sperren.” Die Umfrage von Mogis enthielt drei Alternativen: Sperren, löschen oder freier Zugang.

Das Gute an der Auseinandersetzung: Im Grundsatz, Kinderpornographie zu bekämpfen, sind sich alle einig, nicht jedoch in der Wahl der Mittel. Anstatt gemeinsam zu arbeiten, überbieten sich die Streitparteien nun mit Vorwürfen. Im Aufruf der Kinderhilfe heißt es: “Es darf kein Grundrecht auf Verbreitung kinderpornographischer Seiten geben”, was aber an der Kernfrage vorbeigeht. In der Petition gegen eine Sperrung heißt es: “Das vornehmliche Ziel – Kinder zu schützen und sowohl ihren Mißbrauch, als auch die Verbreitung von Kinderpornografie, zu verhindern stellen wir dabei absolut nicht in Frage – im Gegenteil, es ist in unser aller Interesse. Dass die im Vorhaben vorgesehenen Maßnahmen dafür denkbar ungeeignet sind, wurde an vielen Stellen offengelegt und von Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen mehrfach bestätigt. Eine Sperrung von Internetseiten hat so gut wie keinen nachweisbaren Einfluß auf die körperliche und seelische Unversehrtheit mißbrauchter Kinder.”

Auch innerhalb der Regierungsfraktionen geht die Auseinandersetzung weiter, und nicht nur dort… “Auf der Tagesordnung stehen außerdem das BKA, der Bund Deutscher Kriminalbeamter, der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, die Branchenverband BITKOM, der Bundesgerichtshof, das Max-Planck-Institut, Rechtsanwälte, Psychiater und Medienwissenschaftler.” Das Vorhaben von Ursula von der Leyen hat zumindest eine Diskussion angeregt, die in dieser Tiefe und Breite noch nicht geführt wurde, die Ergebnisse der Auseinandersetzung dürfen also mit Spannung erwartet werden.

Hier gefunden: morgenpost.de

Was darf Werbung?

20. Februar 2009 von hn

In jüngster Zeit erhitzen zwei Werbekampagnen empfindliche Gemüter. Den Anfang machte das Business-Netzwerk Xing mit seiner “Save the Sacked” (Hilf den Gefeuerten)- Kampagne. Hierbei handelt es sich um ein Minispielchen, mit dem Xing humorvoll auf die Finanzkrise und die dadurch bedingten Jobverluste reagieren wollte. Der Inhalt des Spiels: Der Spieler soll den gefeuerten Mitarbeitern einer großen Firma helfen, die nach ihrer Entlassung von ihrem Chef aus dem Fenster eines Hochhauses geworfen werden und nur gerettet werden können, indem man ihnen einen Fallschirm mit Xing-Logo umschnallt. Nach massiven Protesten ob der moralischen Fargwürdigkeit der Kampagne verschwand das Spielchen bereits nach nur einem halben Tag wieder.

Nach Xing steht nun Lokalisten.de am Pranger. Deren Kampagne zeigt im Stil eines Comicstrips Figuren, die erhängt werden sollen und zum Galgen geführt werden. Gerettet wird nur eine der Figuren, was sie dem glücklichen Umstand zu verdanken hat, dass der Henker, wie auch die Figur, Mitglied bei Lokalisten ist. Das Motto der Kampagne: “It’s good to have friends”, wer also Freunde hat wird gerettet. Auch hier hagelt es nun Protest. Angeblich hat die beauftragte Werbeagentur eigenmächtig gehandelt, nach eigenen Angaben hatte die ProSieben-Tochter SevenOne Intermedia, zu der Lokalisten.de gehört, keine Ahnung von der Kampagne und hat die Agentur inzwischen abgemahnt.

Trotz der fragwürdigen Inhalte dürften aber beide Kampagnen ihr Ziel erreicht haben, nämlich große öffentliche Aufmerksamkeit. Vermutlich sogar wesentlich erfolgreicher wegen der ganzen Aufregung. Hier gilt: Bad news are good news.

Hier gefunden: come-on.de

Hacker lieben soziale Netzwerke

5. Juni 2008 von hg

Das erfolgreiche Aufspüren von Sicherheitslücken in IT-Anwendungen und den dazugehörigen Infrastrukturen ist heute, unabhängig von der Lauterkeit der Absichten, nicht mehr ein Job für Einzelgänger. Auch Profihacker müssen sich austauschen, um stets einen Tick schneller und besser zu sein. “House of Hackers”, initiiert von GNUCITIZEN, einer Community und Denkfabrik rund um das Thema IT-Sicherheit, ist die neue Plattform, auf der die Hackerkultur zum Guten gefördert werden soll. Dass auch böswillige Hacker Profiteure des Wissens- und Erfahrungsaustausches werden, fällt unter die Rubrik Kollateralschäden. Die angeschlossene Jobbörse soll freiberufliche Hacker und Unternehmen mit entsprechenden Projekten zusammenführen. Ob und in welchem Umfang Unternehmen diese Gelegenheit wahrnehmen, ist offen. Ihnen bleibt aber die Möglichkeit in den Beiträgen die neuesten Trends der Hackerszene zu beobachten.

Hoch im Kurs stehen aber auch andere soziale Netzwerke. Hier finden Hacker üppig sprudelnde Quellen relevanter Informationen, mit deren Hilfe Sicherheitslücken aufgedeckt werden können oder sich Angriffe auf IT-Strukturen starten lassen.

Hier gefunden: silicon.de, gulli.com

Gott jetzt auch im Cyberspace

22. April 2008 von hn

Die Religion hat nun auch das Web 2.0 erreicht. Nachdem bereits seit einiger Zeit das Portal GodTube als christliches Gegenstück zu YouTube online ist, tauchen in letzter Zeit immer häufiger religiöse Social Communities auf. Ein Beispiel dafür ist die Seite dear-god.net, auf der User die Möglichkeit haben, ihre Gebete niederzuschreiben und Kommentare zu posten. Da kann die katholische Kirche natürlich nicht nachstehen und hat die Seite FaithTrip ins Leben gerufen, eine Art MySpace für Gläubige. Dadurch erhofft sich die katholische Kirche vor allem, vermehrt junge Christen ansprechen zu können, anscheinend mit wachsendem Erfolg: Web-basierte Anwendungen wie Podcasts mit Predigten oder eben Social Communities mit religiösen Inhalten boomen momentan.

Hier gefunden: pcpro.de

Online-Demonstration gegen Internetzensur

11. März 2008 von ak

Reporter ohne Grenzen (ROG) ruft für den 12. März 2008 zum ersten “Internationalen Tag für freie Meinungäußerung im Internet” auf. Für 24 Stunden ist ab 11 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf einer Seite der ROG ein virtueller Demonstrationsplatz freigeschaltet. Ob in China auf dem Platz des Himmlischen Friedens, ob auf dem kubanischen Platz der Revolution oder in Ägypten, Birma, Eritrea, Nordkorea, Tunesien, Turkmenistan oder Vietnam - in diesen Ländern ist die Meinungsfreiheit im Internet bzw. der Zugang zum Internet massiv eingeschränkt oder unter Zensur. Das größte Gefängnis für Online-Journalisten und Blogger steht in China: 49 der 63 inhaftierten Internet-Dissidenten sitzen dort hinter Gittern.

Hier gefunden: medienhandbuch.de, heise online, Golem.de

Ernüchterung nach dem digitalen Rausch

21. Februar 2008 von ak

“Nach dem digitalen Exhibitionismus” folgen die Geschäftsmodelle, welche die Spuren im Netz zu tilgen versprechen - kostenpflichtig versteht sich. Die Frankfurter Rundschau zählt die Karrierekiller-Suchmaschinen auf, darunter Spock, Wink, Peek You, Pipl und die deutsche Fassung Yasni, die Personaler gezielt nutzen, um Informationen über ihre Bewerber zu finden.

Das Ausradieren digitaler Spuren ist das Geschäftsmodell des Augenblicks. Unter dem wohlklingenden und eigentlich vorausschauenden Schlagwort “Reputationsmanagement” versammeln sich Anbieter wie iKarma, Reputation-Defender, deinguterruf.de oder Claim-ID, die Eines versprechen, wer “mit alten Einträgen im Netz unglücklich ist, kann ihr Löschen in Auftrag geben”.

Hier gefunden: FR-online.de

Von Striptease, Stasi und Datenkraken

25. Januar 2008 von mah

Auf der einen Seite freut man sich über die Öffnung von sozialen Netzwerken, auf der anderen macht man sich Sorgen um den Datenschutz und die Freizügigkeit der Nutzer mit ihren persönlichen Daten. Für Aufklärung in diesem Bereich macht sich der Kaiserslauterner Informatik-Professor Hendrik Speck stark. Er kritisiert, dass die sozialen Netzwerke mit den Daten so umgingen als wären es ihre eigenen und nicht die ihrer Nutzer. Die Nutzerinteressen sieht er auch durch die Initiative OpenSocial (Google, Facebook etc.) unterwandert. Die Grundidee der Interaktion und Datenübertragung zwischen unterschiedlichen Communities missachte die informationelle Selbstbestimmung der Nutzer. Zusammen mit Betreibern von Community-Websites und Datenschützern möchte Speck deshalb eine Initiative gründen, die gemeinsam ethische Grundsätze und einen Verhaltenskodex erarbeitet.

Hier gefunden: Stern.de, Computerwoche Online, Tecchannel

“Anonymes Grundrauschen”

2. Januar 2008 von ak

Johannes Boie fasst im Online-Jugendmagazin der Süddeutschen Zeitung (SZ) “jetzt” zusammen, welche Reaktionen er nach der Veröffentlichung seines Artikels “Abgebloggt” über die deutsche Blogosphäre im Feuilleton der SZ auslöste.

Sein Fazit “Die Welt der Blogs und Foren besteht nämlich längst in weiten Teilen aus Orten, in denen anonym beleidigt, gehasst und Dummes geredet wird. Das anonyme Grundrauschen begleitet die großen und bekannten Blogs, die auch außerhalb der Blogger-Welt gelesen werden. Es ist ein Störgeräusch aus Mittelmaß, Vereinfachung und aus verbalen Schnellschüssen. Das kann einem nur dann egal sein, wenn man den Glauben daran, dass das Netz und insbesondere der partizipative Teil die Welt verbessern wird, aufgegeben hat.”

Eines merkt man dem Artikel besonders an, der Verlust der Selbstbestimmung im Netz, die Art der Auseinandersetzung, trifft den Autor, weil sie von ihm als unsachlich und verleumdend empfunden wird.

Hier gefunden: jetzt.de