Archiv für die ‘Journalismus’ Kategorie

Neues Erlös-Konzept für Online-Inhalte

21. Mai 2010 von hn

Aus den USA stammt das Konzept des spendenfinanzierten Journalismus (Funding Journalism), das vom schwedischen Pirate Bay-Mitgründer Peter Sunde in ein Erlöskonzept für Online-Content-Lieferanten übertragen wurde. Die dazugehörige Plattform, die sich derzeit noch im Beta-Stadium befindet, nennt sich flattr. Bislang kann man sich noch nicht ohne Weiteres registrieren, sondern muss um eine Einladung bitten.

Bei flattr handelt es sich um einen Social-Payment-Service für Content-Lieferanten, die über die Plattform für ihre bereitgestellten Inhalte zusätzliche Tantiemen erhalten können. Das System funktioniert folgendermaßen: Der Nutzer zahlt auf flattr einen frei wählbaren monatlichen Beitrag, den er für Netzinhalte ausgeben will. Diejenigen, die Content bereitstellen, platzieren einen flattr-Bewertungsbutton auf ihrer Seite. Am Ende des Monats wird der vom Nutzer gewählte Beitrag dann auf die Medienanbieter verteilt, je nach Anzahl der abgegeben Bewertungen und abzüglich einer zehnprozentigen Provision für flattr.

Der Social-Payment-Sevice möchte damit sowohl ein Paid-Content-System als auch ein Listing der besten Netz-Inhalte darstellen. Die Annahme dahinter: Wer für etwas freiwillig bezahlt, gibt anderen eine gewichtige Empfehlung. Bislang hatten nur wenige deutsche Seiten das neue Erlöskonzept für sich entdeckt. Seit gestern findet sich der flattr-Button aber nun auf den Seiten des Webauftritts der taz. Ob sich das Konzept etablieren kann, wird von der Bereitschaft der Nutzer abhängen, freiwillig für Inhalte zu zahlen. Bisherige Erlösmodelle wird flattr wohl nicht ersetzen können, eine sinnvolle Ergänzung könnte es aber darstellen.

Hier gefunden: ECIN, taz Hausblog

Vom Blog zur Staatsaffäre

13. April 2010 von ks

In der französischen Hauptstadt herrscht Aufruhr: Weil ein Blogger über eine mögliche Ehekrise des Präsidentenpaars schrieb, lässt Sarkozy den Geheimdienst ermitteln und löst eine Staatsaffäre aus.

Anfang März hatte ein Pariser Blogger über Twitter verbreitet, dass die Ehe Sarkozys und seiner Frau in einer schweren Krise sei, beide hätten neue Partner. Angeblich habe der Präsident eine Affäre mit seiner Umweltstaatssekretärin Chantal Jouanno und seine Frau Carla Bruni soll ein Verhältnis zu dem erfolgreichen Chansonnier Benjamin Biolay unterhalten.

Einigermaßen bedeutend wird die kurze Notiz des Bloggers allein dadurch, dass der Blog, in dem sie veröffentlicht wurde, auf der Seite des Elysée-nahen Journal du Dimanche (JDD) steht. Damit erhielt sie für viele Berichterstatter und Journalisten den Status einer von offizieller Seite bestätigten Information. Sowohl britische, italienische als auch deutsche Zeitungen berichteten über die Ehekrise des französischen Präsidentenpaars. Sogar in Indien konnte man über die neuesten pikanten Eskapaden Sarkozys und seiner Gattin lesen.

Laut des Präsidenten-Anwalts Thierry Metzer hätten die Gerüchte über eine Ehekrise im Hause Sarkozy den Charakter einer Intrige, die das Ziel habe, den Staatschef und seine Frau zu erschüttern. Die Lage wird immerhin so ernst eingestuft, dass Staatsanwaltschaft und Geheimdienst eingeschaltet wurden.

Dass die Nachricht des Bloggers direkt nach ihrem Erscheinen von der Seite gelöscht wurde und sich der Redaktionsleiter des JDD in einem Brief  bei dem Präsidentenpaar entschuldigte, scheint Sarkozy, der sich und seine Familie zwar gerne in den Medien darstellt aber sehr empfindlich reagiert, wenn ihm der Tonfall der Berichterstattung nicht gefällt, nicht zu besänftigen. Ebenso wenig die Entlassung zweier Mitarbeiter des Webdienstes. Dabei stand in dem Blog nur, was so oder als offenes Geheimnis gilt. Während das Ausland berichtete schwiegen die  französischen Medien über die Gerüchte um Sarkozy und Bruni und erhielten dafür sogar ein zweifelhaftes Lob von Umweltminister Jean-Louis Borloo.

Zur Staatsaffäre wird der Vorfall als der Elysée-Palast die Ex-Justizministerin Rachida Dati verdächtigt, sie habe die pikanten Gerüchte um Sarkozy verbreitet und sei zudem die Quelle des Bloggers. Angeblich habe Rachida Dati aus Rache gehandelt, da ihr einstiger Förderer Sarkozy sie ins Europaparlament abgeschoben habe.

Doch damit nicht genug: Hinter dem großen Medienfeedback der europäischen Medien sieht Nicolas Sarkozy einen Versuch, Frankreich zu destabilisieren. Sarkozys Kommunikationsberater Pierre Charon berzeichnet das Ganze gar als “organisierten Komplott”.

Man darf also gespannt sein, wie die Posse aus dem Elysée-Palast weitergeht…

Hier für Sie gefunden: sueddeutsche.de, RP Online

Ich bin Presse

19. August 2009 von hn

Nach wie vor gehen die Meinungen über Twitter auseinander. Die einen halten es für belanglos oder unnütz, andere heben gerne die Aktualität und Geschwindigkeit in Katastrophensituationen hervor, oder betonen, wie jüngst im Iran, die politische Bedeutung von Twitter als ungefiltertes Kommunikationsinstrument. Für gefährlich hielten Twitter aber bislang wohl nur die wenigsten.

Bei der Geiselnahme am gestrigen Dienstag im Schwalmtal entpuppte Twitter sich nun allerdings als Sicherheitsrisiko. Ein Twitter-Nutzer mit dem Namen @JO31DH hörte den Polizeifunk ab und zwitscherte sogleich munter drauf los. Dabei gab er polizeitaktische Anweisungen wie beispielsweise den Landeplatz des Hubschraubers und andere Interna weiter, die dem Täter wertvolle Hinweise hätten liefern können. Der Chefredakteur der “Rhein Zeitung”, Christian Lindner, bezeichnet die gestrigen Tweets als ein “ein kleines, schmutziges Kapitel Mediengeschichte”.

Nachdem der Twitterer darauf hingewiesen wurde, dass er den Täter mit Informationen versorgt hatte, entsponn sich eine Diskussion über das Verhalten von @JO31DH. Anhand dieser Diskussion lässt sich viel über dessen Selbstverständnis erfahren, wie einige von Lindner zusammengefasste Tweets zeigen:

  • “Ich tituliere mich als Presse. Reicht doch…und jetzt Maul zu”
  • “Ich werde weiterhin Polizei und Notruf Funk Illegal abhören und hier posten und wer was dagegen hat bekommt auf die Fresse!”
  • “Egal ich hab meine 770 Besucher. Alles andere ist egal.”

Was man nicht alles tut für 15 Minuten “Ruhm”…  Seinen Account hat @JO31DH übrigens mittlerweile gelöscht.

Hier gefunden: meedia.de

Aus der Umkleide in die Frontrow

17. Juli 2009 von ks

Nach der Fashion Week ist ja bekanntlich vor der Fashion Week. Zeit also für ein Resümee, denn es gilt das Augenmerk auf ein Phänomen zu richten, das lange mit milder Belustigung, wenn nicht gar Häme betrachtet wurde: Die Fashionblogs!

Im Rahmen der diesjährigen Fashion Week luden vier der bekanntesten Fashionbloggerinnen Deutschlands namens, Mary (quite contrary), Mahret (f&art), Jessie und Julia (Les Mads) am 4. Juli zum Treffen der Fashionblog-Elite im Berliner Yam Yam. Kongenialer Titel der Veranstaltung: Aus der Umkleide in die Frontrow, der das Phänomen Fashionblogs pointiert beschreibt. Dazu muss der geneigte Leser wissen, dass es unter den Modebloggerinnen üblich ist, Fotos von sich selbst in der Umkleidekabine bei z.b. Zara oder H&M oder anderen üblichen Verdächtigen zu schießen und Online zu stellen, um ihren Leserinnen die neuesten Trends vorzustellen. Gerne wird hier der Leser, in einer Mischung aus Eitelkeit und Verunsicherung, direkt angesprochen und gefragt, welches der Kleidchen, die mit in die Umkleidekabine durften, denn nun gekauft werden soll.

Wer aber sind diese Fashionblogger, was motiviert sie, sich so persönlich und gleich mit Foto vor Hunderten von Lesern zu präsentieren und wie gehen sie mit, manchmal bitterbösen, Kommentaren um? Was machen sie sonst noch, und wie kann man damit Geld verdienen? Fragen, die gar nicht so leicht zu beantworten sind. Nun muss man wissen: Eins eint die Fashionbloggerinnen und das ist selbstredend die Leidenschaft zur Mode. Sie fotografieren, recherchieren, verlinken und kommunizieren über Mode doch ein paar von ihnen bauen Stück für Stück ein kleines Unternehmen auf. Die vier Organisatorinnen des Fashionbloggertreffens haben genau dies zweifelsohne geschafft. Und hier erschließt sich auch der zunächst vielleicht kryptisch anmutende Titel des Treffens, denn die Erfolgreichen unter den BlogerInnen haben es geschafft und werden reglmäßig in die begehrte Frontrow der Fashionshows - in der sich bis dato elitäres Publikum, wie die allmächtige Anna Wintour (US Vogue) oder angesagte Schauspielerinnen oder Musikerinnen tummelten - geladen. Auch die Designer haben die Macht und Wirkkraft der Modeblogs erkannt: Wenn Jessie und Julia Labels wie Acne, Kaviar Gauche oder auch Elie Saab zu ihren Lieblingen küren, darf man sicher sein, dass die Zielgruppe direkt erreicht wird und sich die Leserinnen nach den beschriebenen It-Teilen verzehren. Wird ein Designer dagegen von den Fashionbloggerinnen verrissen, so kann dies zu nicht zu unterschätzenden Problemen für das Image des Labels führen.

LesMads gehört  zu den erfolgreichsten und professionellsten deutschen Modeblogs, was insofern aber auch nicht verwunderlich ist, weil hinter Les Mads Burda und das Glam-Netzwerk stehen. Julia Knolle, eine der mittlerweile drei Autorinnen bei Les Mads, war bis vor kurzem auch Chefredakteurin des deutschen Glam-Angebots. Last but not least sollten nicht unerwähnt bleiben jene BloggerInnen, wie z.b. Judith (What`s wrong with the zoo), Tessa (flannel apparel), Frank (I Heart Berlin), Lea (Lealoves) oder Lisa (LaLila), die aus ihren Talenten Leistungen machen, ohne sich dabei zu verbiegen.

Wer nun Lust bekommen hat, einen Ausflug in die Welt der Fashionblogs zu unternehmen, der sollte hier mal reinschauen:

  • LES MADS www.lesmads.de: Jessie, Julia und Schnati informieren seit zwei Jahren über Mode und Lifestyle. Breites Themenspektrum mit Nachrichtencharakter.
  • Stylebubble www.stylebubble.co.uk Susie Bubble aus London wurde von der Teen Vogue zur besten Bloggerin gewählt. Sehr junge aber schön designte, abwechslungsreiche Seite.
  • The Satorialist www.thesatorialist.com Der New Yorker Scott Schuman ist der bekannteste Mode-Blogger, seine Seite existiert seit 2005.

Nur die Vöglein zwitschern noch…

18. Juni 2009 von hn

Nachdem schon im Vorfeld der Wahlen im Iran die Opposition massiv unter Druck gesetzt und zensiert wurde, kündigten die iranischen Revolutionsgarden, die direkt Ajatollah Chameini unterstehen, nun ein hartes Vorgehen gegen Online-Medien und Blogger an. Diese wurden aufgefordert, kein Material ins Netz zu stellen, dass “Spannungen erzeugen” könnte. Bei dieser Warnung handelt es sich übrigens um die erste offizielle Äußerung der Garden seit Beginn der Auseinandersetzungen um das Wahlergebnis.

Daneben ist auch der Zugang zu YouTube und Facebook aus dem Iran gesperrt, wodurch der Verkehr nach Angaben von YouTube auf ein zehntel des üblichen Volumens geschrumpft ist. Auch das Mobilfunknetz ist gestört, mutmaßlich um die Kommunikation von Oppositionsanhängern zu unterbinden.

Auch ausländische Medien werden unter Druck gesetzt, so ist es ihnen und ihren Angestellten seit Dienstag nicht mehr gestattet, direkt aus Teherans Straßen zu berichten; faktisch können sie nur von ihren Büros aus arbeiten. Gleiches gilt für die Nachrichtenagenturen, auch ihnen ist eine Berichterstattung ohne die Möglichkeit, Bilder aufnehmen zu können, kaum möglich.

Doch es gibt einen Silberstreif am Horizont: Twitter. Die Microblogging-Plattform ist derzeit nahezu die einzige Möglichkeit, Nachrichten aus dem Iran zu kommunizieren. Zusätzlich hat sich Twitter zum echten Hilfsinstrument entwickelt, um die Online-Kommunikation aufrecht zu erhalten. Innerhalb weniger Stunden hat sich via Twitter eine Hilfswelle organisiert, die Nutzern beispielsweise erklärte, wie man Proxys benutzt, um Sperren zu umgehen oder selber einen Proxy-Server einzurichten. Die sicheren, ungefilterten Adressen wurden dann auf Twitter bekanntgegeben, allerdings nur so lange, bis die Zensoren diese Adressen in ihre Sperrlisten aufnahmen. Aber wieder fand sich schnell eine Lösung. Der kalifornische Start-up Gründer Austin Heap sammelt die Adressen der Proxys und macht sie auf einer sicheren Seite verfügbar. Mittlerweile ist man dazu übergangen, keine Adressen mehr zu veröffentlichen, sondern sie privat weiterzugeben, um eine Sperrung zu erschweren.

Eigens aufgrund der wichtigen Rolle, die Twitter für die Kommunikation im Iran spielt, wurden Wartungsarbeiten ausgesetzt, um den Iranern weiterhin eine Kommunikation zu ermöglichen. Sogar das US-Außenministerium hatte sich eingeschaltet und darum gebeten, die Wartungsarbeiten zu verschieben.  Laut Twitter-Mitbegründer Biz Stone habe man aber selbst entschieden, die Wartungsarbeiten zu vertagen: “Dennoch ist es wichtig festzustellen, dass das US-Außenministerium keinen Einfluss auf unsere Entscheidungen hat.” Besonders in Deutschland ist Twitter ja gern und oft geschmäht worden, sieht so aus, als müsste man umdenken…

Hier gefunden: futurezone.orf.at, handelsblatt.com

Zensierte Opposition

11. Juni 2009 von hn

Die iranischen Präsidentschaftswahlen werfen ihre Schatten voraus. Da der Iran gemeinhin nicht gerade als Leuchtturm im Meer der Meinungsfreiheit gilt, war fast zu erwarten, was nun gemeldet wird: Die Opposition wird im Wahlkampf unterdrückt und zensiert. Der jüngste Vorfall ist die Sperrung von Facebook, das fast eine Woche lang nicht online war. Der amtierende Präsident Ahmadinedschad streitet eine Beteiligung an der Sperrung allerdings ab.

Die naheliegendste Begründung für die Sperre: Auf Facebook wird eine ambitionierte Debatte über den Herausforderer Ahmadinedschads, Mir-Hussein Mousavi, geführt, während der Amtsinhaber selber auf Facebook nahezu nicht existent ist.

Eine Zensur findet allerdings nicht nur im Netz statt, auch die Printmedien und das Fernsehen werden unter Druck gesetzt. Nachdem die Zeitung “Yas -e -No” seit über fünf Jahren überhaupt zum ersten Mal wieder erscheinen durfte, wurde nach nur einer Ausgabe das Erscheinen wieder eingestellt. Der Grund: “Yas-e-No” titelte “Khatami-Mousavi für Iran”, eine klare Parteinahme für den reformorientierten Mousavi und ein Verweis auf seine Nähe zum moderaten Ex-Präsidenten Khatami. Das Ministerium für Kultur und islamische Führung reagierte sofort; die Zeitung musste ihr Erscheinen erneut einstellen.

Auch das staatliche Fernsehen (Privatsender gibt es im Iran nicht), dessen Programmdirektion vom geistigen Oberhaupt Ayatollah Khamenei ernannt wird, zeigt  wenig Interesse an Auftritten von Gegenkandidaten und zensiert und kürzt deren Reden und Beiträge. Die Reihe lässt sich nahezu beliebig fortsetzen: Werke von Schriftstellern werden verboten, beispielsweise das aktuelle Buch  “Wer mag Verlierer?” des bekannten Romanciers Shams Langeroudi. Gleiches gilt für die Zeitungen: Vergangene Woche erschien in der reformorientierten Zeitung “Etemaad” eine Interview mit Noam Chomsky, aus dem alle kritischen Passagen, beispielsweise zum Holocaust oder dem iranischen Atomprogramm, in einem Anflug von Selbstzensur gestrichen wurden. Das Ergebnis: Ein Drittel des Interviews fehlte…

Trotz verschiedenster Zensurmaßnahmen lässt sich die Opposition nicht unterkriegen und greift zu anderen Wahlkampfmitteln: Millionen Iraner bloggen, schicken E-Mails und SMS oder weichen zur Informationsfindung auf ausländische TV-Sender aus, die über Satellit empfangbar sind.

Hier gefunden: freitag.de

Blogger vs. Süddeutsche Zeitung Magazin

12. Mai 2009 von ks

Die Deutschen können nicht bloggen - so in etwa lautet die Quintessenz eines Artikels des Reuters Mitarbeiters und Bloggers Felix Salmon. Diesen Artikel hat das “Süddeutsche Zeitung Magazin” nun leicht modifiziert in einem Themenheft gedruckt und damit die Gunst der Stunde genutzt, um “wieder einmal ein Schüsschen auf die deutsche Blogszene abzufeuern”.

Unter der Federführung (vgl. seinen Artikel: Schöner sterben mit dem “SZ-Magazin”) des Medienbloggers Stefan Niggemeier springt die “gewohnt empfindliche Bloggerszene sofort auf die Provokation an”  und löst eine mittelgroße Debatte aus.

Anders als in den USA ist es wohl typisch für Deutschland, dass sich  Blogs und klassische Medien, wenn sie sich ausnahmsweise miteinander beschäftigen, gegenseitig bekriegen und anfeinden. In den USA ist man diesbezüglich viel weiter und probt längst innovative Formen der Zusammenarbeit. Erste Versuche der FAZ, des Handelblatts, der Zeit, des Freitag und sogar der Bild zeigen, dass man solche Kooperationen noch viel stärker ausbauen könnte. Eine solche Bereitschaft zur Vernetzung aber lassen gerade die Süddeutsche, Spiegel Online oder die FTD gänzlich vermissen. Das hat direkte Konsequenzen: Medien, die sich mit Blogs verlinken oder gar eigenen Beiträgen von Bloggern öffnen, erhalten von der Blogosphäre größere Aufmerksamkeit in Form von Links. Dies kann in Zeiten, in denen die Bedeutung und Reichweite von Blogs zunimmt, entscheidend für die künftige Relevanz in der Medienlandschaft sein.

Allerdings wäre wohl auch ein wenig mehr Kooperationsbereitschaft und “Respekt” gegenüber den klassischen Medien seitens der Blogger nicht schlecht, benötigen sie diese doch als zentralen Nachrichtenlieferanten und Multiplikator. Spannend wäre es in jedem Fall, wenn sich beide Seiten noch mehr vernetzen und gemeinsam Produktives schaffen würden.

Ach ja, eine Parodie der Salmon-Thesen hat Klaus Jarchow in seinem Blog Stilstand verfasst. Die vielleicht beste Antwort auf dieses Debättchen.

Hier gefunden: sharewise.com

Gericht in Seoul spricht “Minerva” frei

23. April 2009 von ks

Ein Gericht in Südkorea hat den 30-jährigen Wirtschaftsblogger Park Dae Sung vom Vorwurf freigesprochen, mit seinen Beiträgen zur Wirtschaftspolitik der Regierung großen finanziellen Schaden zugefügt zu haben. So hatte er unter anderem den Zusammenbruch von Lehman Brothers vorhergesagt.

Park war im vergangenen Jahr mit über 100 Artikeln in einem populären Internetforum unter dem Pseudonym «Minerva» zur Berühmtheit gelangt. So hatte er unter anderem ganz richtig eine deutliche Abwertung der südkoreanischen Landeswährung gegenüber dem Dollar prognostiziert. Nicht alle seiner Voraussagen trafen zu.

Der Vorsitzende Richter Yoo Young Hyeon sagte zu den Vorwürfen gegen Park, er könne nicht erkennen, dass der 30-jährige mit seinen Artikeln dem öffentlichen Interesse habe schaden können. Die Staatsanwaltschaft beschuldigte Park, er “habe falsche Informationen verbreitet, die Devisenmärkte beeinflusst und die Glaubwürdigkeit Südkoreas untergraben”. Dabei ging “es um die Behauptung, die Regierung habe großen Finanzinstitutitonen und Handelsfirmen verboten, US-Dollar zu kaufen”. Die Staatsanwaltschaft hatte 18 Monate Haft beantragt.

Die Zeitung The Korea Herald hatte unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft berichtet, dass die düsteren Prophezeiungen des Bloggers dessen Blog im vergangenen Herbst Tag für Tag von 200.000 Lesern besucht wurde, angeblich zu einer Verringerung der Devisenreserven des Landes in Milliardenhöhe geführt haben. Es gehe um einen Schaden von ca. zwei Milliarden Dollar. Zeitungen hatten die Börsen- und Wechselkurse Minervas zitiert und lange gerätselt, wer sich hinter dem Pseudonym verbirgt. Minerva ist der Name einer antiken Schutzgöttin und Hüterin des Wissens.

Abschließend bleibt nur zu sagen, dass es wohl großer Weisheit entspräche, der koreanischen Regierung auf solch subtile Weise Schaden zuzufügen. So wurde  “Minerva” nicht nur zum Überbringer der Weisheit, sondern hat im wahrsten Sinne des Wortes - um ein weiteres Wortspiel zu bemühen -, den Finger in die Wunde gelegt und den “Nerv” getroffen.

Der Freispruch Park Dae Sungs jedenfalls ist ein Sieg der Gerechtigkeit und ein Schritt in die richtige Richtung in einem Land, das zu einer der politisch brisantesten Regionen der Welt zählt und in dem die Meinungsfreiheit mit Hilfe des Nationalen Sicherheitsgesetzes unterdrückt wird.

Hier gefunden: news.de

Vom Premierminister zum Blogger

9. März 2009 von hn

Für 22 Jahre war er Malaysias Premierminister: Mahathir Mohamad. Stets galt er als autoritärer Machtpolitiker und nicht als Demokrat oder Freund der Meinungsfreiheit, dennoch gilt er als verantwortlich für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Modernisierung Malaysias. Mittlerweile ist er 83 Jahre alt und seit 2003 nicht mehr im Amt. Jetzt feiert er ein Comeback als einflussreicher Blogger.

Als 2003 Mohamads Nachfolger Abdullah Badawi sein Amt antrat, wurde er von seinem Vorgänger in der Presse solange beschimpft und als Fehlbesetzung gerügt, bis er zu den selben Methoden griff wie einst Mohamad. Kurzerhand verbot Badawi allen großen Medien des Landes, über Mohamad zu berichten. Dieser fand sich plötzlich in derselben Position wieder wie die von ihm lange unterdrückte Opposition und es begann still um ihn zu werden. Doch die Opposition wusste sich mittlerweile zu helfen und es gelang ihr, das Meinungsmonopol der regierungstreuen Medien mithilfe zweier großer Internetportale inklusive Blogs und Foren zu brechen.

Diesen Weg wählt nun auch Mahatir Mohamad, er betreibt das Blog “chedet.com“, das so einflussreich ist, dass es nahezu alle Meldungen in die Presse schaffen. Größtenteils beschränkt Mohamad sich auf Kritik an der aktuellen Regierung, seltener gibt er auch seine Meinung zu außenpolitischen Themen ab. Der Einfluss der politischen Internetportale in Malaysia wird von Analysten als sehr groß bewertet, so  hat nun auch die Stimme von Mohamad wieder viel Gewicht und verschwindet nicht wie so viele andere  im Orkus des Web. Auf jeden Fall schön zu sehen, wie manche Menschen Möglichkeiten zur freien Meinungsäußerung wahrzunehmen versuchen,  die sie lange Zeit am liebsten verboten hätten…

Hier gefunden: derbund.ch, bazonline.ch, tagesanzeiger.ch

Das große Zeitungssterben

2. März 2009 von hn

In den USA wütet die größte Printmedienkrise, die das Land je erlebt habt. Seit März 2007 sind bislang elf Blätter komplett vom Markt verschwunden, selbst für die großen US-Verlage sieht es momentan ähnlich düster aus. Vier von ihnen sind insolvent und mussten bereits Gläubigerschutz anmelden. Der spektakulärste Fall darunter dürfte die “Tribune Company” sein, Herausgeber der “Chicago Tribune” und der “Los Angeles Times”. Selbst die “New York Times” steckt in Schwierigkeiten und musste sich vom mexikanischen Medien-Tycoon Carlos Slim Helu mit 250 Millionen Dollar unter die Arme greifen lassen.

Als Ursache wird vielfach die Wirtschaftskrise  und der mit ihr verbundene Einbruch der Werbeerlöse genannt. Dies betrifft vor allem den privaten Kleinanzeigenmarkt, der zu großen Teilen ins Internet abgewandert ist. Eine weitere Ursache ist die immer weiter sinkende Bereitschaft, für Informationen zu bezahlen, ein Großteil nutzt mittlerweile ausschließlich das Web zur Informationsbeschaffung.

Die Lösungsvorschläge sind vielfältig und reichen von Staatsbeteiligungen bis hin zu engerer Zusammenarbeit zwischen Journalisten und Bloggern. “Zeitungsjournalisten werden nicht überleben, wenn sie in der aufstrebenden Bloggerkultur argwöhnisch einen Feind wähnen, der ihnen ans Leder will, sondern nur, wenn sie Blogger, Online-Kolumnisten und andere Internet-Solitäre mit offenen Armen empfangen, um gemeinsam mit ihnen gegen Korruption und Unrecht zu recherchieren”, so die Medienwissenschaftler Stephan Weichert und Leif Kramp in ihrem aktuellen Fachbeitrag in der Zeitschrift “Medienheft”.

Auch Deutschland ist von der Krise betroffen, bei “Spiegel” und “Focus” werden die Anzeigenrückgänge auf bis zu 50 Prozent beziffert. Dazu Spiegel-Geschäftsführer Ove Saffe: “Es wird viel schlimmer werden, als wir es uns bisher vorstellen können.”

Hier gefunden: bernerzeitung.ch