Narzissmus 2.0

3. Februar 2010 von hn

Ein relativ neuer Web 2.0-Dienst scheidet die Geister. Formspring.me erlaubt es seinen registrierten Nutzern, sich von wildfremden Menschen Fragen nach dem Motto “Ask me anything” stellen zu lassen. Schon Twitter wird häufiger vorgeworfen, die Selbstliebe einiger User auf die Spitze zu treiben. Formspring.me zeigt nun, dass es noch narzisstischer geht.

Hat man sich angemeldet, sieht man ein Eingabefeld unter dem oben genannten Motto und eventuell bereits beantwortete Fragen. Über neue Fragen wird man in einem eigenen Postfach informiert und kann dann entscheiden, ob man die Fragen beantwortet, einfach löscht oder als Spam markiert. Ist eine Anbindung zu Facebook, Twitter oder anderen sozialen Netzwerken vorhanden, was mit wenigen Klicks sehr einfach möglich ist, wird der Dienst zum Selbstläufer: Dort werden dann sowohl die Frage-Adresse als auch bereits beantwortete Sitzungen öffentlich gemacht.

Die narzisstische Komponente ist dabei nicht klein. Da jeder User selbst entscheiden kann, welche Fragen ihm genehm erscheinen und die er beantworten möchte, kann man sich stets in einem guten Licht präsentieren. Allerdings können Fragende auch zu anonymen Soziopathen mutieren, die Formspring.me-User mit Hassbotschaften bombardieren. Das Blog Valleywag bezeichnet den Dienst als “soziopathisches Crack Kokain des Oversharing.” Letzteren Begriff brachte uns das Web 2.0-Zeitalter; er steht für Menschen mit einem übertriebenen Mitteilungsdrang, die also mehr Informationen mitteilen als sich irgendjemand wünscht. Valleywag weiter:´”Formspring.me ist die Internet-Version von Wahrheit oder Pflicht. Gleichzeitig kann man darüber irgendjemanden emotional total fertigmachen. Das Hoch ist wie Crack.”`

Formspring.me hat bereits Nachahmer gefunden, die psychologisch betrachtet noch einiges mehr an Gefahrenpotential bieten. Failin.gs erlaubt es seinen Nutzern beispielsweise, ein Profil zu erstellen und sich von anderen (anonym!) erklären zu lassen, wo die eigenen Charakterschwächen liegen. Motto von Failin.gs: “What do people think of me, really?”

Hier gefunden: heise.de

Lustigste Internetabmahnung 2010

25. Januar 2010 von ks

2010 ist noch ganz jung und schon ist die Komsa AG heißester Anwärter auf Platz 1 der lustigsten Internetabmahnungen des Jahres.  Die Komsa AG hat ein hübsches, sehr einprägsames Logo: Neun grüne Pfeile zu einem Quadrat formiert weisen nach oben rechts. Nun entdeckte eine schockierte Komsa-Mitarbeiterin als sie im Web unterwegs war das Firmenlogo auf fremden Seiten. Flugs wurden also Abmahnungen wegen unerlaubter Nutzung des Logos verschickt. Der Vorwurf: “Es besteht neben der Gefahr der Verwässerung der Markenkennzeichnungskraft ein Verdacht auf Rufausbeutung.” Die Betroffenen wurden aufgefordert das Komsa-Logo von ihren Seiten zu entfernen und Auskunft über die Gründe für die Verwendung zu geben. Skurillerweise aber hatten die Betroffenen noch nie von der Komsa AG gehört geschweige denn das Logo verwendet. In seinem Blog berichtet Karsten Windfelder, der ebenfalls eine Abmahnung von Komsa erhielt, wie es nun überhaupt zu den Anschuldigungen kommen konnte.

Die Auflösung ist dabei so absurd, dass man sich unweigerlich an die Geschichten rund um die berühmten Schildbürger erinnert fühlt: Im Firmennetz der Komsa AG blendet ein Ad-Blocker Werbung auf fremden Web-Seiten aus und ersetzt diese automatisch durch das Firmenlogo. Daher sahen Mitarbeiter überall im Web das Pfeilchenlogo.

Hier für Sie gefunden: Spiegel Online

Handys laufen Computern den Rang ab

19. Januar 2010 von hn

Schon im Jahr 2013 werden webfähige Handys dem Computer als Nr. 1 beim Internetzugang den Rang ablaufen. Zu dieser Einschätzung gelangen die Marktforscher von Gartner. Laut deren Prognose wird 2013 die Zahl der PCs weltweit  1,78 Milliarden Geräte betragen, für internetfähige Handys und Smartphones erwarten die Experten dann aber bereits 1,82 Milliarden Einheiten.

Nach Angaben von Daniel Ott, Sprecher der Initiative D21, liegt derzeit die alleinige mobile Web-Nutzung, d.h. ohne zusätzlichen Zugang am Rechner, zwar noch bei unter zwei Prozent, dennoch sei ein Eintreffen der Gartner-Prognose durchaus realistisch. Diese erwartet ferner, dass in Zukunft immer mehr Webseiten für die mobile Nutzung optimiert werden.

Als zentrale Anlaustelle im Netz sehen die Analysten Facebook, weisen aber gleichermaßen darauf hin, dass es aufgrund seines stetigen Wachstums und seiner Dominanz zur ernsthaften Bedrohung für andere soziale Netzwerke und Web 2.0-Plattformen werde. Anwendungen wie beispielsweise Twitter würden sich zwar weiterentwickeln, aber immer weiter spezialisieren und auf Nischen konzentrieren. Facebook werde bald den alleinigen gemeinsamen Nenner unter ihnen bilden.

Hier gefunden: persoenlich.com; ZDnet

DAX 30 Unternehmen und Facebook, Twitter & Co.

7. Dezember 2009 von mah

Die Ergebnisse einer aktuellen Studie von Prof. Dr. Lothar Rolke und Louisa Flocke von der Fachhochschule Mainz zeigen, dass rund drei Viertel der DAX 30 -Unternehmen mittlerweile im Netz twittern und knapp zwei Drittel auf Youtube vertreten sind. Facebook hingegen wird nur von der Hälfte eingesetzt. Nur 30% der größten deutschen Aktienunternehmen zeigen sich in der Blogosphäre mit einem Auftritt. Die Ergebnisse der Studie zeigen auch, wie unterschiedlich die Einsätze der großen DAX Unternehmen im Web 2.0 sind. Manche Unternehmen seien gar nicht vertreten, andere hingegen wie BMW, VW und Daimler sind auf Facebook, Youtube und Twitter präsent und führen außerdem firmeneigene Blogs.

Von einer Verweigerungshaltung hinsichtlich des Social Web rät Wirtschaftsprofessor Lothar Rolke jedoch ab. Einserseits bestünde die Gefahr, dass andere den Markennamen in Fake-Accounts nutzen. Andererseits sieht er die Vorteile von Web 2.0-Plattformen für die Markenbildung.

Die große Chance für Unternehmen durch die Nutzung von Social Media ist, dass sie sich ein Gesicht geben, sich “entanonymisieren” und “vermenschlichen”. Außerdem kann sich die Produkt-Qualität steigern und ein Mehrwert für den Konsumenten enstehen, wenn die Unternehmen auf Ideen, Kommentaren und Anregungen der User eingehen.

Klare Social Media-Strategien seien laut Rolke und Flocke noch nicht erkennbar. Erfolge gibt es dennoch: So zum Beispiele die YouTube Channel: Adidas (adidasOriginals2009) und Siemens (siemensanswers) oder den Lufthansa Twitter Account.

Hier für Sie gefunden: The Strategy Web

Freunde zu verkaufen

23. November 2009 von hn

Facebook wird ja bekannterweise gerne mal verklagt, wie erst jüngst geschehen, als sich Facebook einer Klage wegen Verschwörung gegenübersah. Jetzt hat das Soziale Netzwerk den Spiess mal umgedreht und das Unternehmen uSocial abgemahnt. Dieses hatte Facebook-Nutzern, die aus eigener Kraft nicht genügend Freunde finden konnten, über seine Website Facebook-Freunde in Tausenderpaketen zum Kauf angeboten. Der Preis begann bei 177 US-Dollar, wegen Beschränkungen durch Facebook waren mehr als 5.000 Freunde allerdings nicht möglich. Zudem verkauft das Unternehmen auch Fans. Nachdem uSocial nun von Facebook abgemahnt wurde, hat man den Freundesverkauf vorübergehend eingestellt, Fans werden aber weiterhin angeboten.

uSocial bewegt sich nach eigener Ansicht im gesetzlichen Rahmen und will den Dienst nicht einstellen. Facebook sieht dies allerdings anders und wirft dem Unternehmen vor, mehrere Gesetze zu übertreten und illegal auf die Seite zuzugreifen.

Übrigens: uSocial bietet auch Twitter-Follower und YouTube-Views zum Verkauf an, ebenso wie gekaufte Popularität für Bookmarking-Dienste wie Digg oder del.icio.us. Wer online also sozial verarmt wirkt, könnte jetzt noch zugreifen - allerdings hat Freunde-Kaufen ja noch nie so richtig geklappt.

Hier gefunden: ZDNet

Freunde für’s Leben?

18. November 2009 von hn

Langsam neigt sich das Jahr dem Ende zu und wie üblich werden auch 2009 die Wörter und Unwörter des Jahres auserkoren. Für das “New Oxford American Dictionary” ist das englische Wort des Jahres “unfriend”. Mit dem Verb wird der Vorgang beschrieben, wenn man jemanden aus seiner Freundesliste in sozialen Netzwerken wie Facebook oder MySpace entfernt.

Laut den Autoren des Wörterbuchs habe das Wort sowohl einen aktuellen Bezug als auch das Potential zur Langlebigkeit und besitze somit “real lex-appeal”. Eine deutsche Übersetzung gestaltet sich schwierig, weder “unfreunden” noch “beunfreunden” besitzen angesprochenes lex-appeal …

Auf der Liste fanden sich beispielsweise auch das Wort “funemployed”, gleichbedeutend mit “arbeitslos und Spaß dabei”, sowie “tramp stamp”, die englische Entsprechung zum guten, alten A…Geweih. Da war die deutsche Sprache ausnahmsweise aber dann doch ein paar Jährchen voraus …

Hier gefunden: bernerzeitung.ch, oupblog

Facebook wegen Verschwörung verklagt

9. November 2009 von hn

Erneut sieht Facebook sich der Klage einer Nutzerin gegenüber, die das soziale Netzwerk und den amerikanischen Videoverleiher Blockbuster verklagt. Der Vorwurf diesmal: Die Unternehmen hätten sich gegen ein Gesetz zum Schutz der Privatsphäre verschworen. Dabei geht es um das Bundesgesetz “Video Privacy Protection Act”, welches die Daten von Kunden schützt, die Videos ausgeliehen oder gekauft haben. Facebook wiederum hat eine Vereinbarung mit Blockbuster geschlossen, wodurch es Daten von Nutzern erhält, die über Blockbuster.com Filme bestellt haben, worin die Kägerin einen Verstoß gegen obiges Gesetz sieht. Erst im September hatte Facebook eine Einigung in einer Massenklage erzielt, bei der es um denselben Sachverhalt ging. Facebook muss in diesem Fall 9,5 Mio. Dollar zahlen.

Die Verfahren haben ihre Ursache im bereits oft diskutierten Werbesystem “Beacon”, das vor zwei Jahren startete. Damals traf Facebook eine Vereinbarung mit 44 Unternehmen, die Daten über Kunden-Einkäufe an Facebook weiterleiten sollten. Diese Daten wiederum sollten für Freunde sichtbar im Nutzerprofil auf Facebook veröffentlicht werden, ohne dass die betroffenen Personen vorher informiert wurden. Ein Ausstieg war nur möglich, indem man jedem einzelnen der 44 Partnerunternehmen die Weitergabe seiner persönlichen Daten untersagte. Aufgrund massiver Proteste stellte Facebook seinen Beacon-Service dann auf optional um, d.h. der Nutzer musste der Teilnahme am Programm ausdrücklich zustimmen.

Die Einigung in oben genannter Massenklage würde Facebook neben den Zahlungen dazu verpflichten, Beacon zu stoppen. Allerdings beinhaltet die Einigung auch, dass ein weiteres rechtliches Vorgehen gegen die Datenlieferanten nicht möglich ist. Die Klägerin will allerdings vor allem Blockbuster wegen der illegalen Weitergabe von Daten verklagen. Mit ihrer Klage wegen Verschwörung gegen den “Video Privacy Protection Act” will sie verhindern, dass ein weiteres gerichtliches Vorgehen gegen Blockbuster ausgeschlossen wird. “‘Wir denken, dass Facebook uns Schaden zufügt durch seine Aktionen, die darauf ausgelegt sind, uns vom Vorgehen gegen Blockbuster abzuhalten’, sagt ihr Anwalt.”

Hier gefunden: gulli.com

Über die Zukunft von Social Media

6. November 2009 von mah

Die Zukunft von Social Media wird derzeit in einigen Studien und Beiträgen ins Visier genommen.  Die Welt Online veröffentlicht einen Beitrag, der im Wesentlichen auf den Ergebnissen auf einer Studie von Forrester Research basiert. Zentrale Ergebnisse sind: die Online-Identitäten werden netzwerkübergreifend verschmelzen, die Stellung der in Communities eingebetteten Verbraucher gegenüber Marketing und Industrie wird mächtiger und die Social Media-Nutzung immer stärker auf das mobile Internet verlagert.

Das Ergebnis einer Studie von TNS-Emnid: “Klassische Medien punkten in der Informationsgesellschaft 2.0 – noch!”. Viele Medienhäuser könnten ihre Vertrauenswürdigkeit auf ihre Netzaktivitäten übertragen. Allerdings ist der Vertrauensvorschuss auf Medienmarken bei Älteren (50+) stark vorhanden, nur ein Drittel der Jüngern (14-29 Jährige) vertraut klassischen Medien mehr als Internet-Angeboten.

Hier gefunden:  Welt online, PR-Journal

Web-Radio in “echt”

26. Oktober 2009 von hn

In den USA hat das Web-Radio Jelli eine Vereinbarung mit dem Radiobetreiber Triton Digital geschlossen und wird ab 2010 landesweit auf etwa 4.500 Stationen zweimal täglich einen festen Sendeplatz erhalten. Im Netz ist der Sender mit drei Kanälen rund um die Uhr vertreten.

Da Jelli sich als “demokratisches Radio” versteht, bestimmen die User über ihr Votum, welche Titel in welcher Reihenfolge gespielt werden. Mithilfe von “Bomben” und “Raketen”, die nur eingeschränkt zur Verfügung stehen, können Titel an die Spitze gebracht oder aus den Playlisten enfernt werden. Sogar der Abbruch eines bereits laufenden Songs soll möglich sein. Via Telefon oder Twitter sollen die Nutzer auch selbst zu Wort kommen können, Twitter-Nachrichten werden dann über eine Text-to-speech-Engine vorgelesen. In Deutschland betreibt der private Radiosender bigFM ein ähnliches Projekt, das nächste Ziel von Jelli soll Australien sein.

Hier gefunden: heise.de

Datenkrimi SchülerVZ

21. Oktober 2009 von ks

Neue Medien, neue Straftaten. Unter dieser Headline lässt sich zusammenfassen, womit sich der Betreiber von SchülerVZ derzeit herumschlagen muss. Ein 20 Jahre alter Computerfreak aus Erlangen hat massenhaft illegal Daten aus dem Onlinenetzwerk SchülerVZ kopiert und dann versucht, den Betreiber des Netzwerks zu erpressen. Der 20-Jährige soll gedroht haben, die kopierten SchülerVZ-Daten nach Osteuropa zu verkaufen. Für die Rückgabe der Daten habe der Verdächtige von dem Netzwerk-Betreiber mehr als 20.000 Euro gefordert. Daraufhin wurde er verhaftet, wie die Berliner Staatsanwaltschaft am Dienstag bestätigte. Doch damit ist der Datenkrimi um das Online-Schülernetzwerk noch nicht gelöst.

Aufgedeckt wurde der Datenklau bei SchülerVZ von einem anderen Hacker, der sich an den Blogger Markus Beckedahl (netzpolitik.org) wandte. “Diese Person war extrem frustriert, weil der Betreiber von SchülerVZ auf diese Sicherheitslücken mehrfach hingewiesen worden war, die Mahnungen aber irgendwie nicht richtig angekommen sind”, sagt Beckedahl. Der Verdächtige sei mit dem Informanten aber nicht identisch.

Der in Berlin verhaftete Tatverdächtige gehört wohl in die Kategorie der Script-Kiddies. Das sind Leute, die sich im Netz ein paar Skripte zusammensuchen, um irgendwo einzubrechen und dann mit ihren Hacks prahlen. Für die These vom profilsüchtigen «Script-Kiddie» spricht Einiges, denn bereits am 22. Mai 2009 brüstete sich der Tatverdächtige auf  YouTube, mit einem Crawler massenhaft Daten aus den VZNetzen kopiert zu haben. Die meisten Sicherheitslücken, die der Hacker ausgenutzt habe, seien nicht neu, sagte Prof. Hendrik Speck von der Fachhochschule Kaiserslautern, neu allerdings ist, dass man versucht, die Daten mit kriminellen Absichten zu verkaufen.

Der Geschäftsleitung der VZ-Netzwerke wurde in der Vergangenheit bereits häufiger vorgeworfen, sich zu wenig um Sicherheitsfragen zu kümmern, sagt Speck. “Inzwischen sind die Schutzmaßnahmen in SchülerVZ mit die besten, die wir im Datenschutzbereich haben.” Aber auch sie seien noch bearbeitungswürdig, sagte der Experte für Soziale Netzwerke. Bei VZnet arbeiten nun die Informatiker fieberhaft daran, die Hürden für ein massenhaftes Kopieren der Benutzerprofile viel höher zu setzen.

Andy Müller-Maguhn vom Chaos Computer Club (CCC) meint, dass bei der Bewertung des Falls eine entscheidende Rolle spielt, ob der 20-Jährige wirklich versucht hat, aus seinem Hack illegal Kapital zu schlagen. “Wenn er tatsächlich versucht hat, den Laden zu erpressen, dann kann das durch keine Hacker-Ethik gerechtfertigt werden.”

Hier für Sie gefunden:  Zeit Online